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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

Da der Produzent dank der zunehmenden Verschärfung der Kon-kurrenz immer mehr auf Verbilligung seiner Herstellungsweise zuachten hatte, wurde ihm die Verteuerung der Produktion durch dieVerteuerung des Standortes in den großen Städten, wie sie infolgeraschen Steigens der städtischen Grundrente sich überall einstellt,durch die Verteuerung der qualifizierten Arbeitskraft, namentlichinfolge besserer Gewerkschaftsorganisation (Zuschläge zu den Tarifenin den Großstädten!) lästig. Was also an Vorteilen die Großstadt etwanoch bot, wurde in vielen Fällen reichlich aufgewogen durch jenenÜbelstand zunehmender Verteuerung des Standorts und der Arbeits-kraft. Deshalb beobachten wir schon seit einigen Jahrzehnten als eineallgemeine Erscheinung in allen Kulturländern den Auszug wichtigerIndustrien aus den größten Städten und können selbstver-ständlich daraus schließen, daß sich neue Industrien dieser Art nichtetwa eigens in den großstädtischen Mittelpunkten neu ansiedelnwerden.

Für Manchester und Leeds: vgl. Marshall, Principles, 332; für New-York: F. A. Weber, a. a. 0. S. 202; für Berlin : 0. Wiedfeldt,Berliner Industrie (1898), 161 (Textil-Ind.), 254 ff. (Maschinen-Ind.), 262(Wagenbau); für Wien : Ergebnisse und stenographisches Protokoll derEnquete über Frauenarbeit, abgehalten in Wien 1896, 1897;der größteTeil der Großindustrie hat Wien verlassen (S. VIII). Die wichtigsteGegentendenz gegen die Entstadtlichungstendenz der Industrie ist derWiderstand der organisierten Arbeiter, sich von ihrem Nährboden, derGroßstadt, losreißen zu lassen.

Was wir heute also an Industrien in den Großstädten an-treffen immer abgesehen selbstverständlich von der ständig wachsen-den Industrie, die den lokalen Bedarf deckt werden wir füglich indrei Kategorien teilen können:

(1) solche, die dem Beharrungsgesetz ihr Weiterbestehen an demeinmal gewählten Standort verdanken, und das sind gewiß nicht diewenigsten: kommt doch auch in Betracht, daß ein bestehendes U nter-nehmen so lange nicht unmittelbar unter den Geißelschlägen derGrundrente zu leiden hat, als es auf erbangesessenem Grund und Bodensteht;

(2) solche, die gegen die Schädigungen durch die Grundrente un-empfindlich sind, sei es, daß sie die durch diese bewirkte Verteuerungnicht zu fürchten brauchen (Industrien, die sehr kostbaren Rohstoffverarbeiten, wie Gold- und Silberwarenfabriken, oder die durch Qua-litätsarbeit dem Rohstoff einen sehr hohen Wert zusetzen, wie viele