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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Sechsundzwanzigstes Kapitel: Die technische Anpassung

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Einengung der Berufseignung entgegen die Typisierung der Spezial-arbeiten, die es mit sich bringt, daß bestimmte Teilarbeiter jedenfallsfür diese Teilverrichtung in allen Produktionszweigen verwendbar sind,wo diese Teilverrichtung vorkommt: sage das Fräsen. Die Verwen-dung gleicher oder ähnlicher Maschinen in den verschiedenen Zweigen,welche Maschinen zu bedienen in der Regel ja der Arbeiterange-lernt wird, gestattet ihm, sich in verschiedenen Zweigen zu be-tätigen. Aber schon innerhalb eines Zweiges Maschinenindustrie!ist die Zahl der Spezialisten einer bestimmten Prägung so groß, daßder Unternehmer über eine genügende Menge von geeigneten,ange-paßten Arbeitskräften jederzeit verfügen kann.

Ähnlich hat sich unter dem Einfluß der modernen Technik auchdiegelernte Arbeit in der Richtung einer größeren Ausgleichungentwickelt. Die Bedienung der Maschine erfordert weniger spezielleBranchenkenntnis und Branchenfertigkeit, weil sie weniger auf sinn-licher, manueller Ausübung einer Tätigkeit als auf geistiger Be-herrschung eines Mechanismus beruht. Diese aber wird viel mehr durchallgemein-technologische Ausbildung als durch besondere Fachausbildunggewonnen. Für einen gelernten Maschinenarbeiter ist das Entscheidende,daß er an einer Maschine arbeitet. Das Maschinelle ist aber etwas,was dann in allen möglichen Verwendungsgebieten das gleiche bleibt.Jeder gute Mechaniker kann sich ohne viel Mühe in jeden beliebigenMechanismus hineinarbeiten. Und damit wird der moderne gelernteArbeiter doch in viel weiterem Umfangeauswechselbar mit jedemandern gelernten Arbeiter, als es in der früheren handwerksmäßigenArbeitsgliederung der Fall war: gewiß kann ein Maschinensetzer nichtmorgen eine Sohlennähmaschine bedienen, ein Monteur in einerMaschinenfabrik nicht morgen an einer Spinnmaschine arbeiten. Aberjeder Maschinenarbeiter kann sich doch binnen kurzem in eine andereMaschine einarbeiten. Und jedenfalls ist die Kluft zwischen den gegen-übergestellten Typen moderner gelernter Arbeiter unsagbar viel kleinerals die zwischen Schuster und Buchdrucker, zwischen Schlosser undSpinner. Und wenn auch auf so weit auseinanderliegenden Produktions-gebieten wie den angeführten nur in seltenen Fällen derselbe mechanischgeschulte Arbeiter tätig sein wird: der Übergang zwischen näher-gelegenen Gebieten, etwa von der optischen zur elektrischen undmedizinischen Feinmechanik oder zur Herstellung von Taxametern,Phonographen usw., ist durchaus üblich. Wozu noch der Umstandkommt, um die Ubiquisierung des modernen gelernten Arb eit fers zu

Sombart , Hochkapitalismus. 28