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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
steigern, daß in allen Gewerben immer mehr Schlosser, Dreher,Mechaniker gebraucht werden, um die sich immerfort ausweitendeMaschinerie auszubessern und instand zu halten.
III. Die Beschaffung geeigneter Arbeitskräfte
1. Das Mittel, das sich zunächst darbietet, um ein gegebenes Arbeiter-material an die Bedürfnisse der Wirtschaft anzupassen, ist die Aus-lese der Tüchtigsten, das heißt: die Fürsorge, daß jeder und jededie ihren Fähigkeiten am meisten entsprechende Stelle im wirtschaft-lichen Prozesse erhalte.
Diese Auslese erfolgte in aller vorkapitalistischen Zeit, aber auchnoch im Zeitalter des Frühkapitalismus und fast auch noch währendder ganzen hochkapitalistischen Periode, in durchaus traditionalistisch-empirischer Weise auf dem Wege der „Berufswahl“: der junge Menschwählte aus eigenem Antrieb oder auf Anraten der Verwandten undBekannten seinen „Beruf“, ohne sich viel darum zu kümmern, ob erdafür geeignet sei oder nicht. Soweit eine Erwägung über die Eignungüberhaupt stattfand, bewegte sie sich in überkommenen Formen,die sich im Laufe der Zeit aus Erfahrung, Urteil und Vorurteil heraus-gebildet hatten.
Aber die hochkapitalistische Epoche sollte nicht zu Ende gehen,ohne daß auch das Problem der Berufsauslese der Rationalisierunganheimgefallen wäre, das heißt: ohne daß man angefangen hätte, esdurchzudenken und mit Zweckmäßigkeitsgehalt zu erfüllen; es aus einemsittlichen Problem der Berufswahl zu einem technischen Problem derFunktionseignung umzugestalten. Und, was sich von selbst versteht,gleichzeitig es dem empiristischen Halbdunkel zu entziehen und in dashelle und grelle Licht moderner Wissenschaft zu stellen. „Es gilt, soformt der Begründer dieser neuesten Wissenschaft, Hugo Münster-berg , das Problem, bestimmte wirtschaftliche Aufgaben unter demGesichtspunkt der für sie notwendigen oder wünschenswerten psychi-schen Eigenschaften zu analysieren und gleichzeitig Methoden zu finden,um diese Eigenschaften zu prüfen.“
Die Rationalisierung und Verwissenschaftlichung der Berufsauslesereichen nicht weiter als in das letzte Jahrzehnt vor dem Kriege zu-rück. Natürlich sind sie in den Vereinigten Staaten von Amerika zu-erst aufgetaucht.
Nach den Angaben Münsterbergs ist die erste Anregung vonProfessor Parsons ausgegangen, der im Jahre 1908 in Boston ein