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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Sechsundzwanzigstes Kapitel: Die technische Anpassung 439

allerdings bestanden in Deutschland etwa 3800 gewerbliche Berufs-schulen mit 540000 Schülern), kommen also für die frühere Zeit kaumin Betracht.

Da waren dann gewisse Staatsbetriebe, die namentlich für dieHeranbildung von geschulten Kräften in der Maschinenindustrie Sorgetrugen. So haben z. B. die preußisch-hessischen Eisenbahnwerkstättenseit der Verstaatlichung der Eisenbahnen Lehrlinge eingestellt, derenZahl bis zum Jahre 1914 zwischen 4 und 6% der gesamten Arbeiter-schaft schwankte.

Da war vor allem das Handwerk, das bis in die neueste Zeit hineindie Hauptpflanzstätte für die in regelrechter Lehre geschulten Arbeitergebildet hat.

Nach der deutschen Berufszählung von 1895 wurden in 21 Hand-werken in Betrieben mit bis 5 Personen auf 100 Arbeiter 37,9 Lehrlingegezählt. In der alsArbeiter gezählten Gruppe befanden sich aber auchnoch die jugendlichen Arbeiter unter 16 Jahren, die nicht Lehrlinge waren.Sie und die Lehrlinge zusammen machten in den 21 Handwerken 73,9%der Erwachsenen aus. Dieser Prozentsatz stieg in einzelnen Handwerken,wie z. B. (und vor allem) in der Schlosserei, auf 142,9%. Das war also eineBesetzung der jugendlichen Altersklassen, die außer allem Verhältnissezu dem Bedarf des Handwerks selbst an Gesellen und Meistern stand.Und mit Recht hat man in dieserLehrlingszüchterei eine Krankheits-erscheinung des Handwerks erblickt. Siehe das 37. Kapitel des 2. Bandesin der ersten Auflage dieses Werkes. Aber diese Lehrlingszüchterei ist esdoch eben gewesen, die der Großindustrie dazu mitverholfen hat, ihrenBedarf an Facharbeitern zu decken.

Im Jahre 1907 hatte sich an diesem Verhältnis noch nicht viel geändert.Es betrug die Zahl der Lehrlinge von 100 Arbeitern:

Gewerbegruppe in Kleinbetrieben in Mittel- u. Großbetrieben

Metallverarbeitung. 44,9 10,1

Industrie der Maschinen usw. . 33,1 8,9

Papierindustrie. 24,5 2,5

Lederindustrie. 36,8 6,6

Industrie der Holz- und Schnitz-stoffe . 32,3 9,3

Stat. des Deutschen Reiches, Band 221/22, 125f.

Diese Ziffern der Gewerbezählung sind zuverlässiger als einzelne Sonder-statistiken, deren wir mehrere für jene Zeit besitzen: siehe die Zusammen-stellung bei G. Tollkühn a. a. 0. Seite 17f.

Zum Vergleich teile ich noch eine Statistik mit, die im Jahre 1911Geh.-Rat Kühne veranlaßt hat, bei der die Zahlen der Fabrik- und Hand-