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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

die Gestaltung des Arbeitslohns sich nicht zu ungunsten des Kapitalis-mus vollzogen hat, das heißt: daß er niemals so hoch gestiegen ist,daß die Verwertung des Kapitals unmöglich geworden wäre. Damitdieser für den Kapitalismus günstige und seine Entfaltung bedingendeErfolg erzielt wurde, mußten mächtige Kräfte am Werke sein, die einerübermäßigen Steigerung entgegenwirkten, denn in der Ausdehnungdes Kapitalismus, die eine ebenso rasche Ausdehnung der Nachfragenach Arbeitskräften bedeutete, lag ein starker Anreiz zur Erhöhungdes Arbeitslohns. Es wird zu zeigen sein, wodurch diese Erhöhungüber ein dem Kapitalismus erträgliches Maß hinaus aufgehalten wordenist. Die Gründe liegen teilweise in dem Verhältnis von Angebot undNachfrage von und nach Arbeitskräften, betreffen dann also die Ge-staltung des Preises der Arbeitskraft; teilweise in der Gestaltung derBetriebsverhältnisse und beziehen sich dann auf den Preis der Arbeit.Das heißt also: der Lauf der Dinge gestaltete sich für den Kapitalismuszunächst insofern günstig, als genug Kräfte am Werke waren, denArbeitslohn niedrig zu halten. Stieg dieser aber trotzdem in einer un-bequemen Weise, so gelang es dem Kapitalismus, durch Vervollkomm-nung der Betriebsorganisation den Preis der Arbeit zu senken unddamit die fatalen Wirkungen des Steigens des Arbeitslohns unschädlichzu machen.

Im folgenden soll diesen beiden Ursachenreihen näher nachgegangenwerden. x )

II. Die Bestimmungsgründe des ArbeitslohnesDer Preis der Arbeitskraft, also der Arbeitslohn im engeren Sinne,ist niedrig gehalten worden infolge sowohl der Gestaltung des An-gebots als der Nachfrage.

1. Das Angebot von ArbeitskräftenDieses ist durch drei Umstände in einem für den Kapitalismusgünstigen Sinne beeinflußt worden. Diese sind:

1 ) Obwohl in der folgenden Darstellung schon von der Gestaltung desMarktes die Rede ist, gehört sie doch in diesen Zusammenhang, wo derAufbau der hochkapitalistischen Wirtschaft geschildert wird, weil es sichum die Beschaffung der Arbeitskräfte (oder deren Anpassung)handelt, bei der die Marktverhältnisse nur einer der bestimmendenFaktoren sind. Alles was dieMechanik des Marktes betrifft, kommt erstspäter zur Erörterung. Bis zu einem gewissen Maße sind Wiederholungenoder richtiger: Überschneidungen leider nicht zu vermeiden.