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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Siebenundzwanzigstes Kapitel: Die ökonomische Anpassung 447

1. die starke Bevölkerungszunahme in Europa während des hoch-kapitalistischen Zeitalters;

2. das Vorhandensein äußerer Hilfsvölker;

3. das Vorhandensein innerer Hilfsvölker des Kapitalismus, wennich mich dieser abgekürzten Ausdrucksweise einstweilen bedienen darf,um diejenigen Arbeitskräfte zu bezeichnen, die dem Unternehmerhelfen, den Gesamtarbeitslohn niedrig zu halten.

Von diesen drei Umständen ist

a) der natürliche Zuwachs der Bevölkerung

der, wie ich es nannte, die Überschußbevölkerung bildet, bereits aus-führlich erörtert worden. Ich kann mich daher hier auf das im vier-undzwanzigsten Kapitel Gesagte beziehen. Daß in der raschen Be-völkerungszunahme eine Tendenz zur Verschlechterung des Arbeits-marktes, das heißt einer Verschiebung des Verhältnisses zwischen An-gebot und Nachfrage zu ungunsten des Angebots und somit zur Senkungdes Arbeitslohnes liegt, bedarf keiner weiteren Begründung.

Dagegen soll im folgenden den beiden anderen Umständen nocheine eingehende Betrachtung gewidmet werden.

b) Die rückständigen Bassen und Völker

Auswärtige Hilfsvölker des Kapitalismus nenne ich die Farbigen:Schwarzen, Braunen, Gelben, die sich der Kapitalismus aus Afrika ,Indien, Ostasien herbeiholte, um seine Plantagen und seine Gold- undDiamantenminen zu bewirtschaften; nenne ich aber auch alle jeneMassen, die wir aus Ländern mit rückständiger wirtschaftlicher Kulturin die höher entwickelten Länder haben strömen sehen: jene kontinen-talen Westeuropäer, die nach England und dann in die Kolonialländerauswanderten, jene Süd- und Osteuropäer, die ihnen folgten und teil-weise die in Westeuropa entstandenen Lücken ausfüllten; nenne ichendlich jene periodischen Wanderarbeiter, die wir zwischen den euro-päischen Ländern, ja teilweise schon zwischen europäischen und über-seeischen Staaten hin- und herwogend fanden.

Warum hat der Kapitalismus diese Hilfsvölker herangezogen ?Gewiß zunächst und vielleicht hauptsächlich, weil er ohne sie sich nichtausweiten konnte. Aber daneben hat zweifelsohne sehr stark die Er-wägung mitgesprochen, daß dieseHilfsvölker zu günstigeren Bedingungenals die Arbeiter des eigenen Volkes ihre Arbeit zu verrichten gewilltwaren. Und auch wenn die Unternehmer diese Beeinflussung des Lohn-standes nicht bewußt erstrebt haben und bei aller freiwilligen Ein-