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Siebenundzwanzigstes Kapitel: Die ökonomische Anpassung 459
Die Gründe dieser niedrigeren Löhne sind historische: alle dieseArbeitskräfte sind die unmittelbaren Nachkommen der alten Hörigen.
2. Die Nachfrage nach Arbeitskräften
1. Zweifellos herrscht, wenn wir die große Linie der Entwicklungins Auge fassen, in der hochkapitalistischen Periode eine starke undnachhaltige Tendenz zur Steigerung der Nachfrage nach Arbeitskräften.Die tatsächliche Ausweitung der kapitalistischen Wirtschaft, die Zu-nahme des Sachkapitals, die Vermehrung der Lohnarbeiterschaft: alleszusammen, das ja im Grunde nur eins ist, beweisen es. Der Lohnfonds,wie wir es auch ausdrücken können, wächst unaufhörlich an. Die vonMarx behauptete Tatsache, daß v (der Lohnfonds) im Verhältnis zumGesamtkapital ständig abnähme, berührt diesen Sachverhalt nicht immindesten. Das alles werden wir genauer verfolgen, wo es uns angeht:siehe den folgenden Abschnitt. Hier stellen wir diese Tendenz zurSteigerung der Nachfrage nur fest, um daran die Bemerkung zu knüpfen,daß trotzdem das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage aufdem Arbeitsmarkte keineswegs immer zugunsten des Arbeiters sichgestaltet.
2. Der Kapitalismus hat nämlich unter vielen Heil- und Kräftigungs-mitteln auch dieses, das es ihm ermöglicht, den natürlichen Verlauf derNachfrage in sein Gegenteil zu verkehren. Obwohl, wie gesagt, die großeBewegung auf Vermehrung des Bedarfs an Arbeitskräften geht, bringter es fertig, daß der Arbeitsmarkt doch immer oder fast immer odersehr häufig überfüllt ist, das heißt also, die Nachfrage hinter demAngebot auf ihm zurückbleibt. Die Beobachtung dieser Tatsache einesbeständig oder sehr oft überfüllten Arbeitsmarktes veranlaßte Marxzur Aufstellung der uns bekannten Bevölkerungstheorie, nach der derKapitalismus selbst sich die von ihm benötigten Arbeitskräfte erzeugt.Und zweifellos richtig an dieser These ist die Tatsache, daß — wennauch nicht immer, so doch vorübergehend — sich überschüssige Arbeits-kräfte auf dem Markte befinden, die der Kapitalismus abgestoßen hat,die dann die Scharen der Arbeitslosen bilden, die natürlich durch ihrbloßes Dasein einen Druck auf die beschäftigten Lohnarbeiter ausüben,einen Druck, dem man spät und auch nur zum Teil durch künstlicheMaßnahmen (gewerkschaftliche Organisation! Arbeitslosenfürsorge!) ent-gegenzuwirken unternommen hat. Das ist die „industrielle Reserve-armee“, wie sie Marx genannt hat, das wichtigste Instrument in derHand des Unternehmertums, um zu verhindern, daß die Bäume nicht