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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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530 Erster Abschnitt: Die Elemente des wirtschaftlichen Prozesses

Preise, unter denen eine besonders wichtige Rolle spielen die vorüber-gehend über den Produktionskosten stehenden Preise beliebig ver-mehrbarer Güter: siehe das dreizehnte Kapitel Bd. III.

III. Die künstliche Beeinflussung des Marktes

Einekünstliche Beeinflussung des als frei fingierten Tausch-verkehrs auf dem Markte erfolgt unausgesetzt durch die RechtsetzendeGewalt, den Staat und alle übrigen Verwaltungskörper: sei es aufgeradem Wege durch Erhebung von Steuern oder Zöllen, Preistaxen,Patenterteilungen und dergleichen, sei es auf Umwegen durch Gesetzeund Verordnungen, die das freie Handeln beschränken, aller Art:Arbeiterschutzgesetze, Sozialversicherung, Börsenordnungen u. a., seies endlich durch bewußt regelndes Eingreifen in dennatürlichen (dasheißt: ausschließlich durch die Handlungen des Einzelnen bestimmten)Verlauf des wirtschaftlichen Prozesses, wie etwa durch eine bestimmteTarifpolitik bei den Verkehrsanstalten, eine bestimmte Diskontpolitikbei den Zentralbanken.

Von diesen Maßnahmen ist schon in anderem Zusammenhänge dieRede gewesen. Hier soll jener künstlichen Beeinflussung des freienMarktverkehrs gedacht werden, die von den Marktteil-nehmern selber ausgeht.

1. Auf dem Kapitalmärkte findet eine künstliche Beeinflussungder Marktlage entweder nur vorübergehend oder dauernd statt. Vorüber-gehend erfolgt sie in spekulativer Absicht, zur Durchführung eineseinzelnen Schlages. Die Mittel sind der Corner und, wenn es sich umdas gemeinsame Vorgehen mehrerer Personen handelt, derRing,die Hausse- und Baisse-Partei, Mine undKontermine. Dauerndkann die Beeinflussung des Kapitalmarktes erfolgen durch Bildungvon Spekulationsgesellschaften oder durch Kartellierung der kapital-beschaffenden Unternehmungen, namentlich der Banken.

2. Auf dem Arbeitsmarkte stoßen wir auf eine alte, groß-artige und ständige Einrichtung, die den Zweck verfolgt, die Markt-lage (zugunsten des Arbeiters) dauernd zu beeinflussen: die g e -werkschaftliche Arbeiterorganisation.

Sie versucht durch den Zusammenschluß der Lohnarbeiter in Ver-bände diese zu einem gemeinsamen Vorgehen zu veranlassen und willdurch Arbeitsnachweis (siehe unten Seite 648), Reiseunterstützungund Arbeitslosenunterstützung das Angebot von Arbeitskräften unddamit den Druck auf den Markt verringern.