578 Zweiter Abschnitt: Die Bewegungsformen des wirtschaftlichen Prozesses
die uns bekannte Schranke stößt, die er nicht durchbrechen oder über-steigen kann, ohne den Bestand des gesamten Kreditbaues zu gefährden;siehe oben Seite 179ff. Die Weite des Kreditspielraums wird, wie wirebenfalls wissen, letzten Endes durch die Menge des Goldes bestimmt.Dadurch, daß diese anwächst, wird die Grenze des Kredits immerwieder hinausgeschoben und die verhältnismäßige Weite der Aus-dehnung, die das Wirtschaftsleben während der Aufschwungsperiodeerfährt, ist ja eben durch die vermehrte Goldzufuhr bewirkt worden;siehe oben Seite 191 f; 204 f. Aber die Expansionslust steigert sichrascher, als die Goldzufuhr wächst, und damit erreicht die Kredit-gewährung jenen Punkt, an dem sie ihrerseits nicht mehr ausgedehntwerden kann. Schon während der letzten Jahre des Aufschwungs fängtder Kredit an, immer „teurer“ zu werden, wodurch den schwächerenUnternehmungen wachsende Schwierigkeiten bereitet werden, bis derAugenblick eintritt, in dem weder Geld (für Spekulationszwecke) nochGeldkapital (für produktive Zwecke) auf dem Markte mehr aufzu-treiben ist. Das bedeutet für immer mehr Geschäfte die Unfähig-keit, ihren Verbindlichkeiten nachzukommen, bedeutet die erstenRückschläge in der Kette der Nachfrage.
Nun hat sich aber mittlerweile hinter dem Geld- und Kreditschleierein anderes Mißverhältnis herausgebildet: ein Mißverhältnisdieses Mal zwischen den verschiedenen Wirkungskreisen des Wirt-schaftslebens, genauer: zwischen den Produktions-
leistungen verschiedener Produktionszweige. Aufder einen Seite ist eine „Überproduktion“ entstanden, weil die Produk-tion sich hier rascher ausgedehnt hat als auf anderen Gebieten. Welchessind die Wirtschaftskreise, in denen die Gütererzeugung rascher — unddamit zu rasch — gewachsen ist? Nun, es sind eben die Industrien,in denen die Aufschwungsgüter erster und zweiter Ordnung hergestelltwerden, Industrien, die in dem einen Punkte übereinstimmen, daß sieim wesentlichen auf anorganischer Grundlage ruhen und deshalb, wiewir sahen, einer plötzlichen Ausweitung fähig sind. Das aber ist ebendie Gütererzeugung auf den Gebieten der organischen Produktionnicht. Nicht also die Land- und Forstwirtschaft, soweit sie auf Anbauruht, nicht diejenige Industrie, die Agrarprodukte verarbeitet, wienamentlich die Textilindustrie. Auf diesem Gebiete vermag also dieProduktion nicht im gleichen Schrittmaße voranzuschreiten wie inder anorganischen Industrie und im Bergbau, und deshalb muß sichmit Notwendigkeit nach Verlauf einiger Zeit ein Mißverhältnis zwischen