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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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598 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschafte Prozesses i. d. Geschichte

lichkeiten durchaus noch den breiteren Rauin einnehmen, und je höherim Preise die Waren stehen, desto geschmackloser werden sie oft.Weshalb auch Tiffany in New York den Gipfel der Geschmacklosigkeitdarstellt. Ich komme darauf bei der Besprechung der Arten der heutebedurften Güter (im 39. Kapitel) noch einmal zurück.

Die Reichen mit oder ohne Geschmack bilden also noch heute,wie seit jeher, eine Käuferschicht, die für den Kapitalismus ins Ge-wicht fällt.

Während aber der Frühkapitalismus fast nur die reichen Leuteunter den Privatpersonen als die Abnehmer seiner Erzeugnisse hatte,verliert diese Gruppe im Laufe der hochkapitalistischen Epoche immermehr an Bedeutung. Nicht, weil der Anteil der Reichen am gesell-schaftlichen Einkommen geringer wurde, sondern weil die Personenmit mittlerem und kleinem Einkommen, die früher alsKunde der kapitalistischen Produktion so gut wie gar nicht in Betrachtkamen, weil sie ihren Güterbedarf beim Handwerker oder in der Eigen-wirtschaft deckten, jetzt als Käufer auftreten. Damit verschiebt sichdie Rangordnung der verschiedenen Kundengruppen vollständig;die Reichen treten an Bedeutung ganz zurück, die Wohlhabendenund Armen, der alte und neueMittelstand, die Beamten, die Bauern,die Lohnarbeiter bilden die entscheidende Kundschaft im Lande.

Ich versuche im folgenden diese Verschiebung bezw. den heutigenAnteil der verschiedenen Verzehrergruppen an der Hand einiger Ziffernder preußischen Einkommensstatistik zu veranschaulichen.

Daß die Masse der reichen Verzehrer auch in unserer Zeit noch gewachsenist, unterliegt keinem Zweifel. In Preußen stieg die Zahl der reichen Leute(mit mehr als 100000 Mk. Jahreseinkommen) von1659 im Jahre 1892 auf5212 1914.

Und ihr Einkommen betrug

1892 377,6 Mill. Mk.

1914 1258,6

Trotzdem ist ihr Anteil am gesellschaftlichen Einkommen gering. Undder Betrag, der für Luxusausgaben gemacht wird, noch erheblich geringer,da ja gerade auf diesen Einkommensstufen die Akkumulation verhältnis-mäßig groß ist. Der akkumulierte Betrag würde aber den niederen Ein-kommen, insbesondere den Arbeitereinkommen, zuzuzählen sein. Setzenwir dengesparten Betrag auch nur mit 50% des Einkommens an, sowürden in den Jahren 1892 bezw. 1914 rund 190 und 630 Mill. Mk. vonden Reichen für ihren Verzehr verausgabt sein. Von diesen Summen sindja nun aber auch die Ausgaben für den Grobbedarf, der in jedem Haus-halt zu befriedigen ist (Ausgabe für Nahrung! Dienstboten! usw.) zu be-