(504 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. -wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
wenn er den Vorteil der besseren Bedarfsbefriedigung genießen will,den ihm die neue Erfindung ermöglicht: er wird die Ölbeleuchtungdurch die Petroleumbeleuchtung, diese durch die Gasbeleuchtung,diese durch das elektrische Licht ersetzen und wird noch von allenVervollkommnungen einer bestimmten Beleuchtungstechnik Nutzenziehen wollen, indem er jedesmal die vollkommensten Beleuchtungs-körper sich anschafft. So ist es gekommen, daß unsere Generation imVerlaufe eines Menschenalters vielleicht zwanzig verschiedene Lampen-formen nacheinander im Gebrauch gehabt hat, während unsere Elternmit einer oder zwei Lampenformen auskamen. Und wie auf dem Ge-biete der Beleuchtung,, so geht es auf den meisten andern Gebietendes Güterbedarfs auch: immer wieder gibt es eine neue Form, dieangeblich „praktischer“ oder „schöner“ oder beides ist, es mag sichum Schreibtische, um Waschtische, um Schränke, um Koffer, umKochapparate, um Reinigungswerkzeuge oder was sonst immer handeln.Häufig ist der Übergang zu einer neuen Form gar nicht in das Beliebendes Einzelnen gesteht; auch wenn er bei der alten Form bleiben wollte,so würde ihm die Ausbesserung eines schadhaften Gegenstandes oderdie Beschaffung der notwendigen Ersatzteile und Hilfsstoffe diegrößten Schwierigkeiten bereiten; etwa die Dochte und das Öl zu be-kommen, die zu einer Öllampe gehören u. dgl.
Aber in den meisten Fällen will der moderne Mensch gar nicht beidem alten Gegenstände verharren. In den meisten Fällen will er denWechsel, freut er sich des Wechsels, unterstützt er also die von derTechnik her nahegelegte Tendenz zur häufigen Erneuerung aus eigenemWillen. Jenes Verwachsen mit einem Gebrauchsgegenstande, wie esden früheren Geschlechtern eigen war, ist ihm fremd. Er richtet zursilbernen Hochzeit sein Haus neu ein, ohne durch irgendein Gefühlder Pietät behindert zu sein. Seine innere Ungebundenheit, seineNervosität, seine Unrast lassen ihm den Wechsel seiner dinglichenUmgebung nicht als ein Ungemach, sondern eher als ein Mittel zurSteigerung seines Lebensgefühls erscheinen. Dazu kommt, daß dieMenschen der neuen Zeit, in der die soziale Neuschichtung zu dentäglichen Vorkommnissen gehört, viel häufiger auf eine andere Stufeder Lebenshaltung gehoben oder hinabgedrückt werden als früher.Daraus aber ergibt sich wiederum eine neue Gelegenheit, ja häufig, einneuer Zwang, die Güterwelt, in der sie leben, häufig in ihrer gesamtenZusammensetzung zu verändern; der Verarmte muß kostbare Besitz-tümer verkaufen, um sich Plunder dafür anzuschaffen; der neue Reiche