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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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'Achtunddreißigstes Kapitel: Die Art und Weise der Bedarfsbefrredigung 605

muß seine schmutzige Hülle, in der er bis dahin gelebt hatte, wegwerfenund sich neue Kleider, neue Möbel, neuen Schmuck kaufen.

Daß die Beschaffenheit der Güter selbst zum häufigen WechselAnlaß gibt, werden wir erkennen, wenn wir die Neugestaltung derGüterwelt selbst in unserer Zeit untersuchen werden.

Für den Kapitalismus ergab sich aus dieser Tendenz zum Wechselwiederum ein reicher Segen. Denn sie weitete seinen Absatz aus undhalf den Kapitalumschlag beschleunigen, da anzunehmen ist, daß einerheblicher Teil der Güter, an deren Stelle andere treten, ohne dieseErsetzung länger gedient hätte (man denke an Maschinen!). Wirwerden es deshalb begreiflich finden, wenn wir beobachten, daß derUnternehmer alles aufbietet, tun den Wechsel der Bedarfsgegenständezu beschleunigen. Mittel dazu gibt es zahlreiche: Annahme alter Artikelim Tausch gegen neue, Anpreisung der neuen Artikel.

Das wirksamste Mittel aber, dessen sich der Unternehmer bedient,um diesen Zweck zu erreichen, ist die Mode.

Vom Wesen und Sinn der Mode habe ich im ersten Bande auf S. 743 ff.bereits ausführlich gesprochen. Ich habe dortselbst auch ihre Ent-stehung und Verbreitung bis zum Ende der frühkapitalistischenEpoche verfolgt. Hier gilt es, den dort fallen gelassenen Faden wiederaufzunehmen und bis zur Gegenwart fortzuspinnen. Was also ist es,das die Mode im Zeitalter des Hochkapitalismus kennzeich-net ? Mir scheinen es vor allem drei Eigenarten zu sein, die der Modeder neueren Zeit, dermodernen Mode anhaften und sie von der derfrüheren Jahrhunderte unterscheiden. Das ist

(a) ihre Verallgemeinerung und zwar in persönlicher, sachlicherund räumlicher Hinsicht.

In persönlicher Hinsicht: während es ehedem nur eine Oberschichtwar, innerhalb deren sich die Launen der Mode austobten, erfaßt sieheute immer breitere Kreise der Bevölkerung; noch im 18. Jahrhundertwar der rasche Modewechsel im wesentlichen auf die kleine OberschichtderGesellschaft beschränkt, auch das bessere Bürgertum war davonunabhängig; die Bäuerin noch des frühen 19. Jahrhunderts trug ihreTracht, die Proletarierfrau unserer Zeit trägt sichmodern.

In sachlicher Hinsicht: die Zahl der Güterarten, auf die sich die Modeerstreckt, wird immer größer. Erst in neuer Zeit sind recht eigentlichder Mode unterworfen nur von Bekleidungsgegenständen: Wäsche,Krawatten, Hüte, Stiefel, Regenschirme; und von der Bekleidung