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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Xeuuunddreißigates Kapitel: Die Artbeschaffenheit der Güter (jlU

liier die Zunahme des Grobbedarfes in einem dritten Sinne gemeintist, nämlich im Verhältnis zu dem vom Kapitalismus zu befriedigendenGüterbedarf, der uns hier allein angeht. Daß in diesem Sinne aber ohnejeden Zweifel eine Zunahme des Grobbedarfs stattgefunden hat, folgtohne weiteres aus der öfters von mir hervorgehobenen Tatsache, daßin der Zeit vor dem Beginn der hochkapitalistischen Epoche der Grob-bedarf für den Kapitalismus nur in sehr geringem Umfange überhauptin Frage kam, weil er damals im wesentlichen in der Eigenwirtschaftoder vom Handwerk gedeckt wurde.

Daß heutzutage der Grobbedarf eine unvergleichlich viel größereBedeutung für den Kapitalismus besitzt als der Feinbedarf, geht ausden Ziffern hervor, die ich im 37. Kapitel über die Verteilung desgesellschaftlichen Einkommens mitgeteilt habe. Daß aber durch dieseVerschiebung in der Bedarfsgestaltung ebenso wie durch die obenbesprochene Zunahme des Arbeitsmittelbedarfs der Kapitalismuseine Förderung erfahren hat, oder drücken wir es so aus: daß dieseVerschiebungen eine dem Wesen des Kapitalismus angemessene Be-darfsgestaltung bewirkt haben, bedarf nicht erst noch des Beweises.

Nicht zu verwechseln mit dem Gegensatz grob (minderwertig)fein (hochwertig) ist der andere: schwer (dauerhaft) leicht (wenigerdauerhaft). Und es decken sich nicht etwa die Begriffe grob und schweroder fein und leicht. Eine weitere Untersuchung der Wandlungen, diedie Gestaltung des Güterbedarfs im Zeitalter des Hochkapitalismuserfahren hat, ergibt nämlich, daß der Zunahme des Grobbedarfs keines-wegs eine Zunahme des Bedarfs an schweren Gütern entspricht, daßwir vielmehr das gerade Gegenteil beobachten können. Eine weitereEigenart der Bedarfsgestaltung in unserer Zeit ist nämlich

3. die Zunahme des Bedarfs an leichten Gütern.

Diefrühere Zeitfrüher in sehr verschiedenen Zeitabständenund verschieden in den einzelnen sozialen Schichten hatte einenBedarf an schweren Gütern, die, wenn sie Gebrauchsgut sind, Dauerhaben undsolide heißen.

Die Nahrung war voluminös, reich an Kohlehydraten.

Die Kleidung wurde aus schweren, dauerhaften Stoffen hergestellt:Wolle, Leinen, Filz, Brokat, Atlas, Pelz.

Die Kleidung des Bauern: der lange Wollrock, der Filzhut, die großenMetallknöpfe; der Bäuerin: der schwere Faltenrock, die dicken,