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Zweiundvierzigstes Kapitel
Die Rationalisierung der Preisbildung
Die Rationalisierung der Preisbildung beginnt ebenfalls schon imZeitalter des Frühkapitalismus. Deshalb habe ich mich mit ihr bereitsbeschäftigt und bitte den Leser, das fünfzehnte Kapitel des zweitenBandes zu wiederholen. Besonders deutlich tritt gerade hier der Doppel-sinn des Wortes „Kationalisierung“, auf den ich seinerzeit aufmerksamgemacht habe, nämlich die (subjektive) Absicht, zu rationalisieren,und die (objektive) Verwirklichung rationeller Grundsätze zutage.
Die Preisbildung folgt einerseits dem allgemeinen „Zuge der Zeit“nach höchstmöglicher ökonomischer Zweckmäßigkeit, erfolgt immermehr unter rein ökonomischen Gesichtspunkten und sucht sich deshalbvon allen außerökonomischen Bestimmungsgründen, Überlieferung,Gefühlsmäßigkeit, Moral und Religion, die noch die ganze frühkapita-listische Epoche hindurch maßgebend gewesen waren, freizumachen.
Aus diesem Streben nach höchst rationaler Gestaltung ergeben sichdann andererseits jene Tendenzen der Preisgestaltung, die wir als denSachinhalt der Rationalisierung bereits kennen: die Tendenz zurMechanisierung, die Tendenz zur Schematisierung, die man vielleichtbesser als Tendenz zur Fixierung oder Objektivierung bezeichnenkönnte, und — vor allem — die Tendenz zur Nivellierung (Aus-gleichung), die wiederum eine persönliche, eine räumliche und einezeitliche Ausgleichung sein kann. Alles in allem bedeutet auch hierRationalisierung soviel wie Versachlichung. Da sich jedoch die Ratio-nalisierung der Preise (in ihrem doppelten Verstände) auf den dreiverschiedenen Märkten verschieden äußert, so werde ich sie im Folgen-den getrennt auf den einzelnen Märkten verfolgen.
1. Auf dem Kapitalmärkte
1. Das neunzehnte Jahrhundert beseitigt alle Rücksichten, die biszum Ende der frühkapitalistischen Epoche bei der Preisbildung aufaußerökonomische Mächte genommen waren. Die Zinsbeschränkungenfallen sämtlich fort. Das „ökonomische Gesetz“, wie man dummerweisesagt, herrscht allem.