Zweiundvierzigstes Kapitel: Die Rationalisierung der Preisbildung 667
2. Auf bestimmten Gebieten des Kapitalmarktes, denjenigen, aufdenen vertretbare Werte gebandelt werden, das heißt solche, bei denensich die Unterhandlung auf den Preis beschränken kann (Geldsorten;Aktien, Obligationen einer Unternehmung; von den Wechseln solchevon „Prima“-Akzeptanten: Banken und allerersten Industriefirmen),gelangt die Mechanisierung der Preisbildung zur höchsten Vollendungim sogenannten Börsenpreise.
Der Börsenpreis entsteht — gleichsam automatisch — aus zahl-reichen individuellen Preismeinungen, die sofort, sobald sie „getätigt“sind, bekannt werden und sich gegenseitig beeinflussen, in denen sichder Einfluß vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Umständeniederschlägt, und die sich zu einer Art von Durchschnittspreis ver-dichten, einen Preis, den keiner (und jeder) bestimmt hat und einenPreis, der sich dem „richtigen“, das heißt dem der Marktlage ent-sprechenden Preise nach Möglichkeit annähert. Dieser Durchschnitts-preis wird festgehalten, herausgehoben, gleichsam objektiviert undtritt als ein selbständiger Preis in die Erscheinung durch eine — eben-falls meist automatisch durch die Makler erfolgende — „Notierung“.
Als solcher bekannter, notierter Börsenpreis tritt der Preis jedemVertragschließenden bestimmend entgegen; er beherrscht nunmehrden Markt. Die überindividuelle Preisfestsetzung wird für den einzelnenverbindlich; der Preis steht am Anfang der Verhand-lung, während ehedem der persönliche Preis deren Abschluß gebildethatte.
3. Eine Ausgleichung (Nivellierung) der Preise findet zunächstin persönlicher Hinsicht statt, sofern einerseits die Zahl der vertret-baren Werte zunimmt (Effektifizierung!), andererseits auch dort, woEinzelfälle der Kreditgewährung vorliegen, diese schematischer beurteiltund klassifiziert werden können dank der Ausgleichung der Bedingungen,unter denen die einzelnen Unternehmungen arbeiten (Banken! Aktien-gesellschaften!).
Räumlich erfolgt eine weitgehende Ausgleichung der Preise allerbörsenmäßig gehandelten Werte durch die Arbitrage, das heißt„diejenige Handelstätigkeit, die aus den Preisunterschieden der gleichenBörsenwerte an verschiedenen Plätzen Nutzen zu ziehen sucht“. I)ieArbitrage ist dank der modernen Verkehrstechnik und Verkehrs-organisation — die einzelnen Börsen sind durch eigene Telephon-leitungen während der Börsenzeiten untereinander verbunden — zueinem außerordentlich vollkommenen Werkzeug der Ausgleichung ge-