Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
669
Einzelbild herunterladen
 

Zweiundvierzigstes Kapitel: Die Rationalisierung der Preisbildung 669

über eine Reibe von Jabren verteilt. Das gilt namentlich von denBanken, die diese Politik der stabilen Dividenden zuerst getriebenhaben: die Deutsche Bank, die Österreichische Boden-Kreditanstalt,der Credit Lyonnais, die belgische Societe generale voran, und bei denensie am strengsten durch geführt wird. Der Rückgang einer Bankdividendegalt vor dem Kriege geradezu als unliebsam.

Die Dividenden der Deutschen Bank schwanken in den Jahren von1880 bis 1912 zwischen 8 (zweimal) und 12%%, von 1895 bis 1902 zwischen10 und 12%, von 1899 bis 1903 betragen sie 11 %, von 1904 bis 1908 12%,von 1909 bis 1912 12%%. Diejenigen der Dresdener Bank betrugenzwischen 1903 und 1912 in je 2 Jahren 7 und 7%%, in 6 Jahren 8%%.Von 1891 bis 1912 schwankten die Dividenden von London Joint StockBank zwischen 9 und 12%%, von London and County Bank zwischen20 und 22%, von London City and Midland Bank zwischen 15 und 18%%;von Barclay & Co. wurden von 1902 bis 1909 stets 15%, von 1910 bis 191212%% Dividende verteilt.

Nach Ad. Weher, Depositenbanken usw. 3. Aufl., 1922.

Die Industrieunternehmungen sind gefolgt, zum Teil unter demEinfluß der Kartellbildung.

Was die Gesellschaften befähigte, diese Politik zu treiben, wardie bessere Verteilung der Gewinne und Verluste. Man hat mit Rechtgesagt, daß jetzt nicht mehr das Gewinn- und Verlustkonto die Divi-dende bestimmt, sondern erst die Dividende von den Direktoren fest-gesetzt und danach das zu veröffentlichende Gewinn- und Verlustkontoangelegt wird. Daß dieses durch stille und offene Rücklagen bzw.deren Hereinnahme, durch Vermehrungen der Gewinne aus einmaligenGeschäften, namentlich Konsortial- und Effektentransaktionen, durchverschieden starke Abschreibungen auf das fixe Kapital, durch ver-schieden hohe Bewertung von Effekten und Lägern u. a. nach Beliebengestaltet werden kann, weiß man. Worauf es ankam, war nur der Ent-schluß der Unternehmer, die Politik Josefs am Hofe des Pharao zu be-folgen: in den fetten Jahren zurückzulegen, um in den mageren darauf-legen zu können.

Ich führe noch das Urteil eines Leiters der großen amerikanischenTrusts an, um zu zeigen, daß auch in diesemwilden Lande heutedie Unternehmer dieselbensoliden Ansichten zu bekommen anfangenwie in Europa. Es ist die gegenwärtige Politik dieser Gesellschaft,einen gleichmäßigen Dividendensatz aufrechtzuerhalten, der nachAnsicht des Aufsichtsrats dauernd aufrechterhalten werden kann.Wenn in irgendeinem Jahre der Reingewinn die Erfordernisse für dieDividende überschreitet, wird der Überschuß an die Reserven ab-