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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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(370 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte

geführt. Wenn der laufende Reingewinn geringer ist als die Erfordernissean die Dividende, zahlen wir die Dividenden anstandslos aus früherverdienten Überschüssen in dem Glauben, daß der geringere Gewinnin einem einzelnen Jahre vorübergebend ist. Das Ergebnis ist, daßes keine heftigen Schwankungen in dem Marktwert unserer Aktiengibt . . . R. S. Brookings, 1. c. pag. 15. Die Dividendenstatistikder amerikanischen Bank- und Industrieunternehmungen weist demauch neben großen fortgesetzten Schwankungen eine wachsende Anzahlvon Betrieben auf, die ihre Dividendensätze sehr stark ausgeglichenhaben. Die Bevorzugung des Vorzugsaktiensystems unterstützt dieNivellierungstendenz natürlich sehr erheblich. Vgl. auch das 44. Kapitel.

II. Auf dem Arbeitsmarkte

1. Der Arbeitslohn hat von allen Preisen am längsten gebraucht,um zu einem rein ökonomisch-rationalen Gebilde zu werden. Ent-sprechend der Wesenheit des Arbeitsverhältnisses, über die ich imvorigen Kapitel gehandelt habe, war der Arbeitslohn in vorkapitali-stischer und großenteils noch in frühkapitalistischer Zeit stark durchaußerökonomische Mächte, durch Gesetz (Lohntaxen!) oder Sitte,bestimmt. Die Idee desgerechten Arbeitslohnes hatte ihre Wirksam-keit noch nicht völlig verloren. Sofern aber wirtschaftliche Gesichts-punkte maßgebend waren, entschied über die Höhe des Arbeitslohnesim wesentlichen das Nahrungsideal, die Idee des standesgemäßenUnterhalts. Das heißt, die Höhe des Lohnes wurde bestimmt durch denterminus a quo; der Lohn war, wie ich es nenne, Unterhaltslohn.Was die für den Unternehmer sehr wichtige (und sehr mißliche) Folgehatte, daß der Arbeiter dann zu arbeiten aufhörte, wem er genug hatte.

Mit der Natur des Arbeitsverhältnisses wandelt sich auch wemauch nicht so rasch die Auffassmg vom Sinne des Arbeitslohnes.Wie die Abmachungen zwischen Arbeitgeber md Arbeitnehmer zu einerreinen Marktangelegenheit werden, so wird nm auch der Arbeitslohnje mehr md mehr zu einem reinen Marktpreis für dieWare Arbeits-kraft, der mter dem Einfluß der Erwerbsidee festgesetzt wird; derArbeiter will so teuer wie möglich verkaufen, der Unternehmer so billigwie möglich kaufen. In dem Maße, wie diese Anschaumgen obsiegen,wird es gleichgültig, was der Arbeiter zum standesgemäßen Lebens-unterhalt braucht md entscheidet allein, was er dem Unternehmerträgt; der Arbeitslohn wird durch den terminus ad quem bestimmt,er wird Leistungslohn.