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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Zweiundvierzigstes Kapitel: Die Rationalisierung der Preisbildung (371

Diese Wandlung vom Unterhalts- zum Leistungslohn gegendie erst im letzten Menschenalter von der Arbeiterseite eine Gegen-bewegung ins Leben gerufen ist unter dem Schlachtruf:livingwages! ist einer der bedeutsamsten Vorgänge des 19. Jahrhunderts.Sie mußte sich mit Notwendigkeit vollziehen, wenn der Kapitalismus zur Entfaltung kommen sollte und hat als weitere Früchte die Heraus-arbeitung bestimmter Lohnformen gezeitigt, deren der Kapitalismusz um Zwecke eines reibungslosen Funktionierens seines Mechanismusbedurfte. Vor allem ist hier die Ersetzung des Zeitlohnes durch denAkkord- oder Stücklohn zu erwähnen, durch die die Rationali-sierung der Preisbildung auf dem Arbeitsmarkte eine wesentlicheSteigerung erfährt. Die Gründe für die Rationalität des Akkordlohneshat schon Marx ausführlich dargetan. Sie liegen vornehmlich infolgenden Eigenarten des Stücklohnes:

1.Die Qualität der Arbeit ist hier durch das Werk selbst kon-trolliert, das die durchschnittliche Güte besitzen muß, soll derStückzins voll bezahlt werden;

2.er bietet dem Kapitalisten ein ganz bestimmtes Maß für dieIntensität der Arbeit. Nur Arbeitszeit, die sich in einem vorherbestimmten und erfahrungsmäßig festgesetzten Warenquantumverkörpert, gilt als gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit undwird als solche bezahlt;

37der Arbeiter hat ein Interesse an der Steigerung seiner Arbeits-intensität; daher ist auch keine Aufsicht mehr nötig.

(Marx, Kapital l 4 , 515ff.) Vgl. im übrigen das 48. Kapitel.

2. Eine Schematisierung der Preisbildung auf dem Arbeits-markte bedeutete die Einführung des Tariflohnes, der sich als eineselbstverständliche Folge der Tarifverträge ergab. Die Preisbildungist nun nicht mehr das Ergebnis individueller Abmachungen, sondernkommt zustande, ohne daß der einzelne Unternehmer oder Arbeiterdabei anders mitzusprechen hat als durch den Mund seiner Vertreter.Der so festgestellte Arbeitslohn bestimmt aber seinerseits die Höhe des-jenigen Preises, der in dem einzelnen Arbeitsvertrage vereinbart wird.

3. Eine Nivellierung des Arbeitslohnes findet unter persönlichemGesichtspunkte statt, wenn die einzelnen Leistungen nicht mehrverschieden gelohnt werden. Solche Nivellierung enthält zwar keinerleikapitalistisch-rationellen Sinn, sondern wird dem Unternehmer durchdie irrationale Politik der Arbeiterorganisationen aufgedrängt,soweit es sich um die Ausgleichung der Löhne zwischen verschieden-