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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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700 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtscliaftl. Prozesses i. d. Geschichte

einen gemeinsamen Rohstoffeinkauf zu organisieren, Gewinnausgleichherbeizuführen usw. Vgl. Tschierscbky, Zur Reform der Industrie-kartelle 1920. 83ff., 87f.

Mit diesen Maßregeln überschreiten jedoch die Kartelle schon denihnen eigentümlichen Aufgabenkreis, hören auf, bloße Kartelle zu sein,und fangen an, Konzerne zu werden. Von diesen ist erst später zuhandeln.

Nur eine letzte Wirkung, die von den Kartellen als solchen ausgeht,ist hier noch zu verzeichnen, das ist

y) die Tendenz zur Vervollkommnung des kaufmännischenBetriebes.

Die Möglichkeit, eine Konjunktur beim Einkauf auszunutzen, wirdeinem fest organisierten Kartell gegenüber fast völlig ausgeschaltet, dadas Streben des Kartells gerade darauf gerichtet sein muß, die Konjunktur-schwankungen nach Möglichkeit einzuengen oder aber, sofern das nichtin ihrer Macht liegt, jedenfalls so lange wie möglich die Preise zu halten.Die Tätigkeit des Kaufmanns wird infolgedessen, wie bei den Produzenten-kartellen, im wesentlichen darauf gerichtet sein müssen, die Technik desBetriebes zu verbessern. Sodann wird vor allem die kaufmännische In-telligenz auf den Verkauf und seine Erweiterung zu konzentrieren sein.Tschierschky, Kartelle und Trusts, 103.

Aus all dem Gesagten geht zur Genüge deutlich hervor, daß dieKartelle, trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer bindenden Tendenz,echte Kinder des Hochkapitalismus sind und diesen in seinen höchstenEntwicklungsstaffeln vor Augen stellen. Freilich aber auch, daß siemit manchem ihrer Züge schon über diesen hinausweisen. Das giltnoch mehr von dem letzten Vorgang im Bereiche der Rationalisierungdes Marktes, dem wir mm noch unser Augenmerk zuzuwenden haben:von der Stabilisierung der Konjunktur.