Fünfundvierzigstes Kapitel
Die Stabilisierung der Konjunktur
I. Ansichten und Tatsachen
Der Rhythmus der hochkapitalistischen Wirtschaft wird, wie wirwissen, durch die Auf-und-ab-Bewegung der Expansionskonjunkturbestimmt (neben der die „reinen Absatzkrisen“ an Bedeutung zurück-treten).
Die Frage entsteht, wenn wir den Gesamtverlauf der hochkapita-listischen Wirtschaft überblicken: Läßt sich in der Gestaltung diesesRhythmus eine Veränderung nachweisen ? Etwa eine Neigung, ihnabzuschwächen oder zu verstärken?
Man weiß, daß dieses Problem vor allem durch Marx und seineSchüler einstens in den Mittelpunkt des Interesses und der wissenschaft-lichen Erörterung gerückt worden ist. Das war die Zeit, als man sichin Theorie und Praxis für nichts mehr als für das „Krisenproblem“entflammte. Marx hatte durch die Aufstellung seiner „Zusammen-bruchstheorie“ die Frage auf das äußerste zugespitzt und ihr zugleicheinen praktisch-politischen Sinn untergelegt, der sie so bedeutsam fürdie wirtschaftliche, ja für die allgemeine gesellschaftliche und staatlicheZukunft der kapitalistischen Welt erscheinen ließ. Nach dieser Marx-schen Krisentheorie sollten die Ausschläge des Konjunkturpendelsimmer stärker, dadurch die Niedergangszeiten immer verhängnisvoller,die Zusammenbrüche immer schwerer und allgemeiner werden. Immermehr Werte würden in diesen „Krisen“ zerstört werden, bis die Maschineselbst in Unordnung geraten werde und nicht wieder hergestellt werdenkönne. ,
„Die Handelskrisen (stellen) in ihrer periodischen Wiederkehrimmer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Gesellschaftin Frage... In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur dererzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfteregelmäßig vernichtet. . . Wodurch überwindet die Bourgeoisie dieKrisen ? .. . Dadurch, daß sie allseitigere und gewaltigere Krisen vor-bereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.“ So