Achtundvierzigstes Kapitel: Die Finanzierung fremderWirtschaften 751
Endlich gehört in diesen Zusammenhang der kleine Bauhandwerker.Da jedoch die Finanzierung des modernen Baugewerbes meistens durchBanken erfolgt, so werde ich sie weiter unten im Zusammenhänge darstellen.
Mit den „Fällen indirekter Abhängigkeit vom Kapital“, in die so vielegewerbliche Handwerker geraten, habe ich mich ausführlich in der erstenAuflage dieses Werkes beschäftigt, wo das einundzwanzigste Kapitel desersten Bandes dem Gegenstände gewidmet ist. Dort findet der Leser nochweiteren Stoff und auch, soweit sie nicht angegeben sind, die Quellen-belege für die hier als Beispiel angeführten Fälle.
Ebenso wie der gewerbliche Handwerker werden auch auf anderenGebieten handwerkerliche Wirtschaften von Geldgebern verschiedensterHerkunft finanziert, und ebenso wie jene gelangen sie in eine gewisseAbhängigkeit von ihren Geldgebern. Ich denke an die Darbieter per-sönlicher „Dienste“, wie die Friseure, denen Laden und Ladenaus-stattung auf Kredit geliefert werden; an kleine Wirte (Budiker), dievielfach als Angestellte der großen Brauereien auzusehen sind; anKrämer, die ihr Geschäft mit wucherischen Vorschüssen betreiben, wieder polnische „Dorfgeher“, der „Wocher“, der für 30—50 Rubel amFreitag 2—3 % Wochenzinsen bezahlt oder an solche, denen der Groß-händler oder Fabrikant ihren ganzen Warenvorrat auf Vorschuß liefert,wie es üblich ist im deutschen Uhren-, Zigarren-, Drogenhandel, imenglischen Juwelenhandel oder im französischen Kolonialwaren-, Par-fümerienhandel: „devenu le debiteux du nögociant, le detaillant estoblige de se fournir chezlui; il subitsa loi“ (Et. Martin St. Leon),und ähnliche Fälle.
3. Private finanzieren auch kapitalistische Unter-nehmen und stellen dann häufig eine Symbiose zwischen sich unddiesen her.
Ich erwähne folgende Fälle:
a) Gründung von Detailhandelsgesellschaften (meist in der Formder G. m. b. H.) unter Kapitalbeteiligung eines Produktionsunternehmensund eines selbständigen Detailhändlers. So hat eine deutsche Schuh-fabrik in mehr als hundert Städten (1927: 130) Verkaufsstellen unterfremder Firma errichtet; ebenso gründen in anderen Ländern die großenSchuhfabriken derartige Verkaufsgesellschaften mit Filialenbetrieb; inFrankreich hat „L’Incroyable“ 20 Filialen, Fayard 30 usw. Diese Ge-schäfte verkaufen Schuhe verschiedener Schuhfabriken. Imgrößten Stil hat diese Finanzierung großer Detailhandelsgesellschaftender amerikanische Tabaktrust betrieben, als er sich an der UnitedCigar Stores Company beteiligte, die 1907 bereits 392 Verkaufslädenbesaß (siehe den Rep. on the Tobacco Industry I [1909], 88, 312 f.);