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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Xeunund vierzigstes Kapitel: Die Betriebsformen

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Die modernen Hausindustrien sind dagegen solche, in denen diefabrikmäßige Produktion keine übermäßig großen Vorteile durch ihremaschinelle Gestaltung aufweist, wie namentlich im Bekleidungs-gewerbe. Hier schätzt auch der Unternehmer die hausindustrielle Be-triebsform noch und stellt sie sogar über den geschlossenen Groß-betrieb vornehmlich aus drei Gründen: (1.) weil die hausindustrielleOrganisation billiger ist; (2.) weil sie beweglicher ist: dieArbeitskräfte können leichter angezogen und abgestoßen werden, dasGewerbe kann einen ausgesprochenen Saisoncharakter erhalten: (3.) weilder Unternehmer mittels dieser Betriebsform an Arbeitskräfte heran-kommt, die ihm sonst unerreichbar wären.

II. Die Manufaktur

Unter Manufaktur wird gewöhnlich (auch von mir) eine besondereForm des gewerblichen Großbetriebes verstanden. Hier will ichden Ausdruck anwenden auf alle gesellschaftlichen Großbetriebe, indenen wesentliche Teile des Produktionsprozesses durch Handarbeitausgeführt werden.

Auf der Stufe der Manufaktur verharrt ihrer Natur gemäß imwesentlichen die Landwirtschaft, wo sie im großen betriebenwird.

Zwar ist die Verwendung von Maschinen in der Landwirtschaftimmer allgemeiner geworden.

Die Geschichte der landwirtschaftlichen Maschinen nimmt ihren Anfanggleichzeitig in England und in den Vereinigten Staaten von Amerika ;an beiden Orten wurde die Maschinisierung der landwirtschaftlichen Arbeitdurch denselben Umstand angeregt und befördert: den Mangel an Arbeits-kräften. In England setzt man in das Jahr 1838 den Beginn des landwirt-schaftlichen Maschinenwesens, als die Koyal Agricultural Society in Oxford ihre erste Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte ver-anstaltete. Auf der Londoner Weltausstellung im Jahre 1851 wurdendie Fortschritte auf diesem Gebiete der Technik der übrigen Welt gezeigt.Und von da ab beginnt der Siegeslauf des landwirtschaftlichen Maschinen-wesens über die Erde. Gleichzeitig war die andere Entwicklungsquellein den Vereinigten Staaten aufgebrochen, und schon auf der Londoner Ausstellung 1851, noch mehr auf der Pariser 1855 zeigten die Amerikanerihr teilweise überlegenes Können. Siehe die in der Literaturübersicht an-geführten Schriften.

Heute wimmelt es von Maschinen in jedem größeren Landwirt-schaftsbetriebe. Wir finden dort den Pflug, der selbst in seiner primi-tivsten Form eine Maschine ist, heute als Dampfpflug zu höchster