768 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
Vervollkommnung gebracht; die Sämaschinen (Drillmaschinen), dieErntemaschinen (Mähmaschinen, Selbstbinder), die Dreschmaschinen,die mannigfaltigsten Verarbeitungs- und Hilfsmaschinen, als: Reiniger,Mahl- und Schrotmaschinen, Eutterbereinigungsmaschinen, wie Häcksel-maschinen, Haferquetschen, Rübenschneider, Olkuchenbrecher; dieMilchzentrifugen, die Sägemaschinen, Knochenmühlen, Flachs- undHanfbrechmaschinen, Ziegelpressen, Torfpressen usw.
Im Jahre 1907 benutzten nach der landwirtschaftlichen Betriebs-zählung in Deutschland 98,2% aller Betriebe über 200 ha Arbeits-maschinen (und was war mit den 1,8%, die in der Statistik fehlen?);84,9% hatten Mähmaschinen (1895 erst 34,4%), 83,2% Dampfdresch-maschinen (1895:73,6%), 73,2% breitwürfige Sämaschinen, 44,7%Drill- und Dibbelmaschinen usw.
Und doch — trotz alledem werden wir auch den vollkommenstenLandwirtschaftsbetrieb heute noch keine „Fabrik“ nennen können,er bleibt „Manufaktur“:
(1.) weil wichtige Teile des Produktionsprozesses noch mit der Handausgeführt werden, wie Pflege und Wartung des Viehes;
(2.) weil die meisten Arbeitsmaschinen noch nicht mittels mecha-nischer Kräfte bewegt werden;
(3.) weil es bei der Natur der landwirtschaftlichen Arbeit keineMaschinensysteme und keine Vereinheitlichung der Kraftquellegeben kann.
Die Form der Manufaktur haben auch die Großbetriebe imHandelsgewerbe, trotzdem auch hier, namentlich im Detail-handel, eine Menge von Arbeitsverrichtungen heute von der Maschinebesorgt werden: pneumatische Transportvorrichtungen! Wanderbänder!automatische Kassen! Aber es bleibt doch einstweilen dabei: die wesent-lichen Teile des Arbeitsprozesses, namentlich die Verkaufsarbeit, sindder Hand Vorbehalten.
Einen Ansatz zur Detailhandelsfabrik stellen die „Piggly-Wiggly-Stores“ in den Vereinigten Staaten dar: „Durch ein Drehkreuz geht man,mit einem der bereitstehenden Körbe bewaffnet, in das Innere des Ladens,sucht sich von den abgepackten Kolonialwaren, Getränken, Schokoladenoder auch einigen frischen Lebensmitteln aus, was man zu haben wünscht.Beim Herausgehen stellt der Kassierer fest, was gekauft worden ist, undkassiert den Betrag . . . Das System beginnt erst — die amerikanischeKaufmannschaft sagt ihm vielfach eine große Zukunft voraus. Im Jahre 1925begann man in Chicago auch beim Verkauf der Konfektion mit gleich-artigem Versuch.“ Julius Hirsch , Wunder, 175.