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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Neunuudvierzigstes Kapitel: Die Betriebsformen

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Immerhin: die hochkapitalistische Epoche ist über den Mannfaktur-betrieb im Handel nicht hinausgekommen.

Wie aber liegen die Dinge auf dem Gebiete der gewerblichenProduktion, für das, wie wir wissen, der AusdruckManufaktur vor-nehmlich Verwendung findet?

Da habe ich schon früher (siehe den zweiten Band Seite 731 ff. undvgl. meineOrdnung des Wirtschaftslebens, Seite 42) darauf aufmerk-sam gemacht, daß vor allem durch die Darstellung bei Marx sich derIrrtum verbreitet hat, die Manufaktur sei in allen Fällen ein Durch-gangsstadium zur Fabrik, sei immer eine Noch-nicht-Fabrik. Das istfalsch. Die Funktion, die die Manufaktur in der Entwicklung der ge-werblichen Betriebsformen zu erfüllen hat, ist zweifacher Natur. Einer-seits besteht ihre Aufgabe in der Tat darin, die Fabrik vorzubereiten.Andererseits aber soll sie dazu dienen, die Vorteile des gesellschaftlichenBetriebes mit den Vorteilen individueller, insonderheit künstlerischerWerkverrichtung zu vereinigen. Die Geschichte weist deshalb eine ganzeReihe wichtiger Gewerbezweige auf, in denen die Entwicklung nichtüber die Manufaktur hinausgeht, sondern bei dieser verharrt. Das istdie Gruppe der Kunstmanufakturen, die überall dort zur Ent-faltung gelangt sind, wo an entscheidenden Stellen des Produktions-prozesses die Mitwirkung des fremden Arbeiters nicht entbehrt werdenkann (oder soll). Da es sich hier um einen sehr wichtigen Punkt imAblauf der gewerblichen Betriebsformen handelt, so ist es nötig, daßich an einigen Beispielen verdeutliche, in welcher Weise diese Ver-bindung von Handarbeit und chemisch-mechanischer Automatisierungdes Produktionsprozesses erfolgt.

Ich wähle als solche: die Porzellanmanufaktur, die Bronzewaren-manufaktur und die Kunstmöbelmanufaktur.

Die Herstellung des Porzellans umfaßt vier unterschiedlicheTeilprozesse der Produktion: 1. die Herrichtung des Materials, 2. die Form-gebung, 3. den Brennprozeß, 4. die Farbengebung. Von diesen Teilprozessensind in einem großen Betriebe, wie er hier allein in Betracht kommtzwei (1. und 3.) vollständig gesellschaftlich organisiert, zwei (2. und 4.)fast überall der Individualarbeit Vorbehalten. Eine Reihe mächtigerMaschinen hilft das Rohmaterial für die Porzellanbereitung zerkleinern,das dann wiederum auf maschinelle Weise in riesigen Mischkesseln dierechte Zusammensetzung und Durchnässung empfängt. Aus der zurecht-gekneteten Tonmasse wird nunmehr ein Kubus losgetrennt: das Materialfür die Tätigkeit des Formers. Diese ist durchaus individualisierte Hand-arbeit; selbst bei der rohesten Ware, die an der Drehscheibe zu Hundertenvon Dutzenden gleicher Größe und Form abgedreht wird. Geschweige