770 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft!. Prozesses i. d. Geschichte
denn bei kunstvolleren Gebilden, für die recht eigentlich die Individual-arbeit ihre Bedeutung empfängt. Hier sitzt Künstler neben Künstler mitGriffel und Spartel in der Hand und formt die Lieblichkeiten, deren wiruns als der Erzeugnisse Berliner, Meißener, Sevrescher Kunst erfreuen.Hat er sein Werk vollendet und seine Seele ihm eingehaucht, so wird esnun wieder in den Strudel gesellschaftlicher Produktion hineingerissenund wandert mit vielen Brüdern in den Brennofen, dieses mächtige,an Hochöfen erinnernde Gebilde, das, selbst das kunstvolle Werkvieler, zu seiner Bedienung eines Stabes geschulter Arbeitskräfte undreichlichen Materials im großen bedarf. Und nun öffnet sich nach12- oder 14stündigem Brand der Ofen.
Ist das Stück gelungen in diesem so durchaus gesellschaftlich betrie-benen Teil der Produktion, in dem jede individuelle Machtvollkommen-heit verschwindet, so wandert es nun wieder in die Hände des Einzel-arbeiters zurück, um mit Farben geschmückt zu werden. Ist es ein einfachesGebilde, so werden es halbreife Arbeitskräfte sein, die ihre Abziehbilderauf die Tassen und Teller abklatschen; ist es eine jener kunstvollen Vasen,Schalen, Teller, Nippes, so muß die Künstlerhand wiederum dem Stücksein individuelles Gepräge verleihen. Eine eigenartige Begabung gibthier die Farbe, eine andere hatte die Form gegeben, beide in voller Ent-faltung ihrer künstlerischen Individualität. Dann kommt das Glasierenund noch mancherlei Verrichtung, die sämtlich abermals auf gesellschaft-licher Organisation beruhen.
Ähnlich ist die Organisation der großen Bronzewarenmanufakturen.Die Werke von Christofle z. B. beschreibt ein guter Beobachter wie folgt:,,C’est l’orfevrerie moderne aux puissantes machines, le chef d’usine quitransforme le minerai en lingot, qui fait tourner ses laminoirs ä la vapeur,qui par jour estampe 5000 couverts, qui a des bains d’argent et qui produit,en cuivre galvanique, des statues colossales, c’est lui qui se complait äfaire une mignonne Statuette d’ivoire elegante et fine, ä l’habiller d’orfin, ä la camper sur un socle d’argent aux ciselures delicates et pour cesprecieux ouvrages, Mercie lui prete son concours. Ces deux puissancess’entr’aident, l’artiste eminent et le maitre de forges savant s’unissentpour cette ceuvre d’orfevre; voilä de l’art industrielle et du bon.“ L. Falize,Orfhvrerie d’art in der Gazette des Beaux Arts III. Per. Tome II. S. 435/36.
Dieselbe Verschlingung individualer und gesellschaftlicher Produktionstellt endlich die Kunstmöbelmanufaktur dar, und zwar schon inihrer einfachsten Gestaltung, in der wir sie betrachten wollen, schonals Holzmöbelmanufaktur. Im Prozeß der Kunstmöbelherstellung lassensich drei Hauptteile unterscheiden, die wir als Holzbearbeitung, Montageund Verzierung bezeichnen können. Von ihnen ist der erste Teilprozeß,der aber nicht notwendig nur in einen Zeitpunkt der Produktion zu fallenbraucht, sondern sich meistens sogar über die ganze Produktionszeit ver-teilt, sich also mit den beiden anderen zum Teil kreuzt, durchaus derindividualen Arbeit entzogen und auf gesellschaftliche Basis gestellt;die beiden anderen dagegen sind, wo es sich tatsächlich um die Erzeugungkunstvoller Möbel handelt, im Bereiche persönlichen Wirkens geblieben.