Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
771
Einzelbild herunterladen
 

Neunundyierzigstes Kapitel: Die Betriebsfonnen

771

Leider gibt es keinerlei Handhabe, den Umfang der Manufakturauf dem Gebiete der gewerblichen Produktion ziffernmäßig festzustellen.Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß er nicht klein ist, und daß er beidem Bestreben der Zeit nach Durchdringung der gewerblichen Er-zeugnisse mit persönlicher Arbeit sich eher auszuweiten als einzu-schrumpfen die Neigung hat. Außer in den erwähnten drei Gewerbe-zweigen ist die Handarbeit noch in folgenden ProduktionsprozessenBedingung: Herstellung von Luxuspapier (Büttenverfahren!), gutenBucheinbänden, rauhen Handstreichziegeln, besseren Ledersorten, kost-baren Stoffen, Kunstgläsern u. a.

III. D i e F a b r i k

Überall dort, wo überhaupt die Fabrik möglich ist, also nament-lich auf dem Gebiete des Gewerbewesens, und wo sie aus Geschmacks-gründen nicht ausgeschaltet werden s o 11, ist sie heute die herrschendeBetriebsform geworden. Sie beruht, wie wir wissen, auf dem Prinzipder Automatisierung; in ihr kommt ein System lebloser, aufeinanderwirkender Körper zur unbehinderten Entfaltung, sei es als chemisches,sei es als mechanisches Gebilde. Die Fabrik ist aber deshalb die sieg-reiche Betriebsform, weil sie der Idee des Kapitalismus am bestenangepaßt ist. In ihr lassen sich Betriebsgliederung und Betriebsführungin der für den Kapitalismus rationellsten Weise gestalten. Sie ent-spricht in ihrem Aufbau völlig der kapitalistischen Unternehmung. Wiediese, ist sie ein in sich ruhendes, selbständiges Geistgebilde, aus demalles Seelische bis auf verschwindende Beste verbannt ist. Und daseben ist es, was der Kapitalismus braucht, um sich unbehindert ent-falten zu können (siehe das Nähere im dreiundfünfzigsten Kapitel!).

Den allseitigen Übergang zur Fabrik lehrt die auf Beobachtung desWirtschaftslebens aufgebaute Erfahrung. Wenn wir etwa die Liste derManufakturen überblicken, in der ich den Bestand dieser Betriebsformam Ende des frühkapitalistischen Zeitalters zum Ausdruck gebracht habe(siehe immer das wichtige sechsundvierzigste Kapitel des zweiten Ban-des), und damit das Bild vergleichen, das uns heute das Gewerbewesendarbietet, so springt die Verringerung der Manufaktur, die Ausdehnungdes Fabrikbetriebes in die Augen. Daß dort, wo schon früher die Fabrikdie herrschende Betriebsform war, sie es geblieben ist, versteht sichvon selbst. Aber auch in den meisten Gewerben, die vor 150 Jahrennoch manufakturmäßig organisiert waren, herrscht heute die Fabrikvor. Außer der Kunstmanufaktur ist keine der in meiner Liste auf-

Sombart , HochkapitalismusIX. 49