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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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856 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtsckaftl. Prozesses i. d. Geschichte

sich rasch und nahmen von dem sich mächtig entwickelnden Schiffs-verkehr immer größeren Anteil für sich in Anspruch. Vor Ausbruch desKrieges hatte der Tonnengehalt der Hamburg -Amerika-Gesellschaft1 Million Tonnen überschritten, der des Norddeutschen Lloyd sie fast er-reicht. In den 1880er Jahren umfaßte die Motte des Norddeutschen Lloyd erst ein knappes Fünftel (18,4%) der gesamten bremischen Flotte, 1910war es beinahe die Hälfte (46,3%). Die beiden größten Schiffahrts-unternehmungen Bremens (Norddeutscher Lloyd und Hansa) besaßen1882 etwas über ein Fünftel (21,2%), 1900 drei Fünftel (61,4%), 1910zwei Drittel (66%) der Bremischen Flotte. Jahresberichte der BremerHandelskammer.

Im Anfang des 20. Jahrhunderts berechnete man, daß von derdeutschen Tonnage 77 % den größtenünternehmungen mit über 30 000 Tonnengehörten. K. Tieß a. a. O. Seite 62.

Diese kapitalistische Konzentrationsbewegung kommt in den Betriebs-ziffern naturgemäß zum Ausdruck. Nach der Gewerbestatistik warenbeschäftigt in der Seeschiffahrt:

1895

1907

in Kleinbetrieben. .

io,o%

5,4%

Mittelbetrieben .

13,5%

8,4%

,, Großbetrieben . .

76,5%

86,2 %

Stat. d. D. R., Band 220/21, Seite 96*, woselbst sich auch alle aufdas Verkehrsgewerbe bezüglichen betriebsstatistischen Ziffern finden, dieim vorstehenden benutzt sind.

So stark wie in Deutschland war die Konzentration der Schiffahrts-unternehmungen vor dem Kriege in keinem anderen Lande. Aber auchin den übrigen Ländern herrschten die ganz großen Gesellschaften vor:in England die P&O (Peninsular and Oriental) Co. und die British India Co.mit etwa 1 / 2 Millionen Tonnen, die Cunard-Linie, die White-Star-Linie,die Firma Alfred Holt & Co., die Ellermann-Linie, Gesellschaften mit3400000 Tonnen und einige wenige andere mit 2300000 Tonnen; inFrankreich die Messageries Maritimes , die Compagnie Generale Trans-atlantique, die Compagnie des Chargeurs Reunis: Gesellschaften mit150250000 Tonnen.

Bereits vor dem Kriege war aber die Konzentrationsbewegung imSeeschiffahrtsgewerbe schon weiter fortgeschritten, sofern die Reedereienverschiedener Länder zu einem großen Konzern sich zusammenschlossen.Das geschah im Jahre 1902 durch die Bildung der International MercantileMarine Company, dem sogenannten Morgan-Trust, der es unternahm,die wichtigsten Schiffahrtsgesellschaften Englands und Amerikas zu einerGesellschaft mit einem Tonnenbesitz von 1080000 Tonnen zu vereinigen.Siehe Nauticus, Jahrbuch für Deutschlands Seeinteresse, 1903.

Offenbar waren hier die Bahnen vorgezeichnet, in denen sich dasSchiffahrtsgewerbe in der Zukunft bewegen wird.

Daß die Gründe für diese starke Konzentration der Reederei inder Seeschiffahrt zum Teil in der Verteuerung der technischen An-