866 Drittes Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
Solche Kräfte sind zunächst wiederum betriebsrationaleBeweggründe gewesen.
Offenbar nämlich war — wenigstens in den geschlossenen Groß-betrieben des Detailhandels — die optimale Betriebsgröße vielfachschon überschritten, soweit die Unkostengestaltung in Frage kommt.
Nach Untersuchungen, deren Ergebnisse Hirsch in seinem „Wunder“mitteilt, betragen die gesamten Unkosten bei Warenhäusern
mit weniger als . . . $ 1000000 . 27,1%
„ einem Umsatz von „ 1000000—3999999. . . . 28,4%
„ „ „ „ „ 4000000—9999999 . . . 29,0%
„ „ „ „ mehr als $ 10000000 . . 29,5%
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Verfasser des oben erwähnten31. Bulletins des Harvard Bureau of Business Research in bezug auf dieSchuh Verkaufsgeschäfte. Für diese ergab sich, daß das Optimum bei Ge-schäften mit einem Umsatz von30000 und 100000 $ liegt: hier betrugen dieGesamtkosten bzw. 26,3 und 26,1 %, während sie bei kleineren Geschäftenauf 28,6%, bei größeren sogar auf 29,2 und 29,1% stiegen.
Neben den Kostengründen machen sich — vielleicht noch stärker —andere Gründe geltend, die den Großbetrieb und namentlich das Waren-haus in einen Nachteil gegenüber mittleren Spezialgeschäften setzen.Die „Übersehbarkeit“ des Geschäftes erscheint für viele Branchenwiederum als ein Vorzug sowohl für den Unternehmer wie für die Kund-schaft. Daß der Chef vom Kunden erreichbar ist, also eine persön-liche Beziehung aufrechterhalten werden kann, wird von vielen wiederals Bedingung eines wohlproportionierten Detailhandelsgeschäfts an-gesehen. Der Verkehr in den ganz großen Geschäften wird immerlästiger: die Bedienung, die Bezahlung, die Zustellung funktionierennicht mehr glatt. Der Vorzug, trockenen Leibes eine Reihe von Ein-käufen unter einem und demselben Dach erledigen zu können, ver-schlägt nicht mehr so viel bei der heutigen Frauenmode, bei der mandie Röcke nicht zu raffen braucht. Für verwöhnten Geschmack ist dieAuswahl in den Warenhäusern zu klein, und kommt deshalb nur dasreich „assortierte“ Spezialhaus in Frage. Damen, die im Auto ein-kaufen, können ganz große Geschäfte überhaupt nicht mehr besuchen,weil sie nicht Vorfahren können. Der Reiz der Neuheit, den die Mammut-häuser besaßen, ist dahin. Die Mode hat andere Richtungen genommen.Und was dergleichen vernünftige und unvernünftige Gründe mehr sind,die alle in derselben Richtung gewirkt haben, die Vorherrschaft desganz großen Detailhandelsgeschäfts, namentlich, wie gesagt, des Waren-hauses zu brechen.