872 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft!. Prozesses i. d. Geschichte
Y. Bankwesen
Auch über die Konzentration im Bankwesen, worunter hier dasKreditbankwesen verstanden wird, ist viel gesungen und gesagt worden.In der Literatur herrscht eine ziemlich große Verwirrung, maßen manmeistens Dinge miteinander verwechselt oder doch zusammenge-worfen hat, die man säuberlich auseinanderhalten muß: Vergrößerungund Konzentration, Betriebskonzentration und räumliche Konzen-tration, Konzentration und Verschiebung in den Unternehmungs-formen (Verdrängung des Einzelbankiers durch die Aktiengesellschaft)usw. Wir verfolgen zunächst
1. die Neigung zur Vergrößerung der einzelnen Banken, diezweifellos in starkem Maße vorhanden ist. Wir können diese Ver-größerung bei den Aktienbanken an dem Wachsen des Durchschnitts-kapitals (samt Reserven) sowie an der Zunahme der fremden Gelderunmittelbar feststeiler, bei allen Banken an der Zunahme der be-schäftigten Personen in der einzelnen Bank. Wir können auch dieVergrößerung des Großbanktyps ziffernmäßig verfolgen.
In den Weststaaten Europas setzt diese Vergrößerungstendenzschon früh im 19. Jahrhundert ein, in Deutschland erst gegen dasEnde des Jahrhunderts.
Ein paar Ziffern mögen den Prozeß veranschaulichen.
Großbritannien: Es hatten die in London und in der Provinz arbeiten-den Banken (20 bzw. 18) durchschnittlich jede Millionen Pfund:
1893 1912
Eigenkapital . . 23,8 43,9
Fremde Gelder . 133,5 411,6
Berechnet nach den Mitteilungen bei F. Somary, a. a. 0. Seite 264.
(Millionen Franken):
1880 30. Mai 1914
Credit Lyonnais. 137 1700
Societe Generale. 108 989
Comptoir National d’Escomptc 136 1227
Die Depositeneinlagen:
Credit Lyonnais. 244 1015
Societe Generale. 253 681
Comptoir National d'Escoinpte 103 860
Bei Erwin Responclck, Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaftim Kriege (1917), 112.