886 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte
Hier mag nur noch bemerkt werden, daß der Geltungsbereichder Vorschriften, deren Befolgung die wissenschaftliche Betriebsführungausmacht, ein ganz verschiedener und ganz verschieden großer seinkann.
Sie können betreffen die Betriebsgestaltung als Ganzes, das heißtdas Problem der Zusammenfügung sämtlicher Produktionsfaktoren zueinem wirkungsvollen Ganzen, in welchem Falle wir von Betriebs-organisation zu sprechen pflegen. Oder können sich beschränken aufEinzelvornahmen im Betriebe: Kalkulation, Gänsestopfen, Eisen-platten abladen.
Die Vorschriften können sich beziehen auf die Verwertung, alsoim Rahmen des kapitalistischen Wirtschaftssystems das Geldverdienen(Buchhaltung), oder auf die Werkschöpfung (Stiefelmachen).
Sie können endlich zum Gegenstände haben die Sachbehandlung(Maschinensystem) oder die Personenbehandlung (Lohnsystem).
Es ist offensichtlich, daß die durch diese Geltungsbereiche der,Vorschriften gebildeten Kreise sich schneiden.
II. Die Entwicklung der Betriebswissenschaft
In dem Maße, wie die Betriebsführung verwickelter wurde und dieAufstellung von allgemeinen Wissenssätzen und Regeln schwieriger,ist diese Aufstellung von Vorschriften zum Inhalte einer besonderenTätigkeit geworden: es hat sich eine „Betriebswissenschaft“, dasheißt also eine Anweisung zur wissenschaftlichen Betriebsführung alseigene Disziplin entwickelt.
Es ist gewiß nicht meine Aufgabe, an dieser Stelle die empfindlicheLücke, die das Fehlen einer allgemeinen Geschichte der Betriebs-wissenschaft darstellt, auszufüllen. Überblicken wir die Jahrhundertelind zeichnen die Linie der Entwicklung in ganz groben Zügen — mitKohlestift auf Packpapier —, so lassen sich (unter Berücksichtigungder beiden Gesichtspunkte, die ich oben hervorhob: dem äußerenGeltungsbereich und der inneren Wertigkeit) vielleicht folgendeStaffeln unterscheiden:
Die Anfänge, die (im westeuropäischen Kulturkreis) in das Mittel-alter zurückreichen, sind naturgemäß durch Systemlosigkeit im äußerenwie inneren Sinne gekennzeichnet.
Mit dem 16 . Jahrhundert, zum Teil schon früher, beg inn t, dann dieSystematisierung nach beiden Seiten hin: große, umfassende, gut geord-nete Betriebslehren entstehen für alle Zweige des Wirtschaftslebens.