896 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. Wirtschaft!. Prozesses i. d. Geschichte
den Geist als das „Tote“ stellen oder das Seelische (in der Betriebs-gestaltung) mit Schlamperei gleichsetzen und die Vergeistung als denAufstieg zu Ordnung und Verläßlichkeit preisen: tut nichts. Immerist es erforderlich, erst einmal zu verstehen, um welche Vorgänge essich im wesentlichen handelt. Wir wollen im folgenden dieses Verständniszu gewinnen suchen, indem wir (I.) das Wesen des beseelten Betriebes,von dem die Entwicklung ihren Ausgangspunkt nimmt; (II.) dieWandlung, die sich in der Richtung der Vergeistung der Betriebevollzogen hat und sich zu vollziehen die Tendenz hat; (III.) die Be-deutung dieser Wandlung für die Entwicklung des Kapitalismus unszum Bewußtsein bringen.
I. Der beseelte Betrieb
Jeder Betrieb, der sich im Rahmen einer kapitalistischen Unter-nehmung abspielt, ja in gewissem Umfange jeder Betrieb enthältGeist, jede Ordnung ist Geist, jede Zahl ist Geist, jedes Werkzeug istGeist. Wenn wir gleichwohl einen beseelten Betrieb als eine besondereArt der Betriebe unterscheiden wollen, so müssen wir seine Eigen-tümlichkeit in der Stellung des Geistigen zum Seelischen seines Ge-haltes suchen. Beseelt oder seelsam nenne ich denjenigen Betrieb, indem das Seelische das Geistige sich dienstbar macht, in dem also einPrimat des Seelischen gegenüber dem Geistigen besteht. Ich versuche,dieses Verhältnis im folgenden aufzuweisen, und zwar an einem Betriebe,der schon die Form der Großbetriebes angenommen hat und in kapita-listischem Geiste geführt wird: bei dem Kleinbetriebe, zumal in bäuer-lichem oder handwerkerlichem Nexus tritt der Primat des Seelischennoch klarer hervor. Historisch gesehen, ist der beseelte Betriebder „Betrieb alten Stils“.
Was ein beseelter Betrieb sei, erkennt man am deutlichsten beimbäuerlichen Betriebe. Er erscheint als Einheit nur in seiner sinnlich-seelischen Eigenart. Diese wird begründet: (1.) durch den äußeren Land-besitz, den „Hof“, der immer ein eigenes Gepräge trägt; (2.) durch denHofbesitzer, den Eigner, dessen Eigenart sich in der Wirtschaftsführungkundgibt und diese immer zu einer besonderenmacht; (3.) durch die Stammes-oder Gauart: jeder Bauernhof erhält sein eigenartiges Gesicht durch dieUmgebung, in der er sich befindet: man denke an die Unterschiede zwischeneinem schottischen und einem irischen, einem provenzalischen und einembretonischen, einem sizilianischen und einem piemontesischen, einembadischen und einem holsteinischen Bauern. So ist es denn auch keinWunder, daß die landwirtschaftlichen, insonderheit bäuerlichen Wirt-schaften grundverschieden von Land zu Land, ja von Provinz zu Provinz