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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Dreiundfünfzigstes Kapitel: Die Vergeistung der Betriebe

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sind, während in Handels-, Gewerbe- und Transportbetrieben sich eineviel größere Übereinstimmung von Ort zu Ort zeigt. Viele feine Bemerkungenbei A. lHouet, Psychologie des Bauerntums. 2. Aufl. 1920. Vgl. auchdas 57. und das 60. Kapitel.

Geleitet wird der schon kapitalistische, aber noch beseelteBetrieb von demChef, demAlten, einem Unternehmertypus, dernoch viele Züge des Handwerkers an sich trägt. Er vereinigt alleFunktionen des Leiters in seiner unteilbaren und ungeteilten Person:er ist Kaufmann, Techniker, Organisator in einem. Seine persön-lichen Zwecksetzungen, Ansichten, Geschäftsgrundsätze sind für dieGestaltung des Betriebes bestimmend. Sie sind meist traditionalistischgefärbt, tragen aber auch dann ein persönliches Gepräge: wie es derVorgänger gemacht hat, wie er es selber früher gemacht hat, wie esder Überlieferung des Hauses entspricht: so wird der Betrieb einge-richtet und geführt. Dieser hat deshalb immer eine irrational-persön-liche Note.

Das seelische Verhalten tritt in der Organisation des Betriebeszutage. Die Angestellten und Arbeiter gehen ein persönlich gefärbtesVertragsverhältnis ein und bleiben in persönlicher,patriarchalischerBeziehung zum Unternehmer. Sie sind seinPersonal. Sie bleibenMenschen, Personen, trotzdem sie Lohnarbeiter sind. Die menschlichenBeziehungen herrschen im Betrieb und setzen sich über diesen hinausfort: der Unternehmer nimmt teil an ihrem Wohl und Wehe, feiertFeste mit ihnen und kennt ihre Familien. Man vergegenwärtige sichetwa einen Handels-Großbetrieb, wie ihn uns Gustav Freytag inSoll und Haben beschrieben hat. Die menschlichen Beziehungenzwischen dem Unternehmer und seinem Personale brauchen keines-wegs nurgute,herzliche,freundschaftliche zu sein; sie könnenebensogut ein negatives Vorzeichen haben: sie können brutal, will-kürlich, despotisch sein,unmenschlich, wie wir dann wohl zu sagenpflegen, um auszudrücken, daß sie vom bösen Willen beherrscht sind.Immer bleiben es seelische Beziehungen.

Nirgends tritt die persönliche Prägung der Organisation des be-seelten Betriebes so deutlich zutage wie in der Beschaffenheit undWirksamkeit der Mittelspersonen, die sich zwischen den Betriebschefund die Arbeiter schieben. Das sind derInspektor oder Verwalterin der Landwirtschaft, der Werkmeister in den industriellen Be-trieben, der Prokurist in den Handelsbetrieben. Sie sind die Organe,durch die der Chef seine Pläne in die Wirklichkeit überträgt. Ihr Tunist ein umfassendes. Sie haben sich ebenso um die Herbeischaffung der