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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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904 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte

ausführen mußte), weil es noch keine besonderen Funktionäre dafürgab, wird heute von untergeordneten Organen besorgt! Angefangenmit der Korrespondenz, die jetzt mit dem Diktat für den Leiter beendetist. Bis zu den tausend Verfügungen, die er trifft, und die in nichtsweiter als in einer Anregung bestehen, die aber irgendein Bureau dannformt und ein anderes ausführt. Der Leiter einer Unternehmung istheute der Mann, der auf den Knopf drückt.

Die Herauslösung der mechanischen Arbeit setzt sich bei den höherenAngestellten fort: auch hier bleibt ein Disponent, der beseelte Arbeitverrichtet, neben zehn anderen, die nur nochHandgriffe ausführen.Aus dem Ingenieur wird vielfach, wie man es genannt hat, einStrich-zieher, aus dem kaufmännischen Angestellten ein Formulararbeiter,aus dem Werkmeister ein Automat. AlsSubalternisierung der geistigenArbeit (besser der Kopfarbeit) hat Max Adler diesen Vorgangbezeichnet.

Am längsten und gründlichsten ist die Trennung einfacher undkomplexer Arbeit bei der ausführenden Arbeit vorgenommen worden.Hier hat die Manufaktur schon im wesentlichen die Arbeitsverrichtungmechanisiert. Aber was das Bemerkenswerte ist: auch in der einfachstenVornahme dem Abladen von Bisenbarren, dem Karren von Erde,dem Sortieren blieb noch ein seelischer Rest. Und es ist nun diebesondere Leistung von Taylor, daß er diesen letzten Rest vonSeele, das heißt also immer von individuellem Entscheide, auch ausden allereinfachsten Verrichtungen verbannt hat. Alle seelische Mit-wirkung des Arbeiters an seiner Arbeit wird beseitigt und beson-deren Funktionären übertragen.

Ein Paar beliebig herausgegriffene Stellen aus seinen Werken beweisen

das.

Es ist ein Grundgedanke:daß fast in der ganzen Technik die Theorie,die jeder einzelnen Handlung des Arbeiters zugrunde liegt, so umfang-reich und schwierig ist, daß der hierfür bestgeeignete Arbeiter aus Mangelan Bildung oder geistiger Befähigung nicht in der Lage ist, diese Wissen-schaft (!) zu verstehen. Taylor-Wallichs, 43.Es handelt sich wenigerum eine Vermehrung der Arbeit als um eine Verschiebung aller geistigen(lies: seelischen. W. S.) und Schreibarbeit in das Arbeitsbureau, währendder Arbeiter keine Zeit zum Nachdenken über Aufspannen, Instandhaltenseiner Maschine und deren Antriebsvorrichtung, Ausrechnung der Zahn-radgetriebe usw. aufzuwenden hat, sondern unausgesetzt seine Maschinein Gang halten kann. Taylor-Wallichs , 24.Kenntnisse, die niemalsbeachtet und aufgezeichnet wurden, Fähigkeiten, die in den Köpfen undHänden einzelner verborgen sind, deren Geschicklichkeiten, Kunstgriffeund Gewandtheit, auf welche die Arbeiter stolz sind, und die sie als ihr