Dreiundfünfzigstes Kapitel: Die Vergeistung der Betriebe 905
alleiniges Eigentum betrachten, müssen gesammelt, klassifiziert, in Ta-bellen und Gesetze gebracht werden. Eür den praktischen Gebrauch sinddann daraus mathematische Formeln aufzustellen, die bei ihrer Anwendungzu ganz erstaunlichen Ergebnissen führen.“ Taylor, Principles of ScientificManagement, 1911 gehaltener Vortrag, übers, in der Taylor-ZeitschriftJan. 1920ff. zit. bei Söllheim, 13. „Das Einrichten und Festsetzen derArbeit, die Zuführung der Materialien und die Geschwindigkeit, die er-forderlich ist, die Arbeit auszuführen und die Art, das Material anzufassenund es durch die Maschine zu leiten: diese Arbeiten werden von Sonder-beamten besorgt und in niedergeschriebenen Anweisungen festgelegt.Wenn der Arbeiter in besonderen Fällen von der Arbeit abweicht, so tuter dies auf die Gefahr hin, seine Vergütung oder Prämie oder seine höhereTeilstückrate zu verlieren.“ John F. Frey, Die wissenschaftliche Betriebs-führung und die Arbeiterschaft (1919), 40/41.
Gleichen Schritts mit der Arbeitsteilung in horizontaler Richtunggeht nun
c) die Teilung der Arbeit in vertikaler Richtung, das heißt:überall, wo bisher Arbeit von einem verrichtet wurde, wird sie jetztvon mehreren ausgeführt. Und zwar gilt das in gleichem Maße für dieleitende, die vermittelnde und die ausführende Arbeit.
In der Leitungsarbeit vollzieht sich eine Differenzierung schondurch die Einteilung der Betriebe in die großen'Verwaltungsbezirke:der kaufmännische und der „technische“ Direktor treten auseinander.Die Differenzierung schreitet fort durch den Übergang von der Einzel-leitung zum Direktorialprinzip: Prototyp das Generalregulativ derFirma Krupp vom Jahre 1872, wo in besonders geschickter Weise dieÜberleitung aus der einen Hand in eine Gruppe von Direktoren vor-gesehen ist. Die verschiedenen Direktoren teilen dann die Funktionenunter sich, wie wir das im zweiten Kapitel schon verfolgt haben. Eineweitere Unterteilung erfolgt schließlich (namentlich in großen Handels-geschäften) durch die Ressortbildung.
„An der Spitze des Ressorts, das nicht nur buchhalterisch, sondernauch organisatorisch als ein selbständiger Betrieb behandelt wird, stehtein Ressortchef, heiße er wie er wolle: Oberbuchhalter, Reklame-, Rekla-mations- oder Lagerchef. Aus der Ressortbildung ergibt sich die bedeutungs-volle Tatsache, daß auch der kaufmännische Angestellte, der Ressortchef,ein lebhaftes Interesse, sei es nun aus materiellen, ideellen oder aus beidenGründen, an diesem kleinen Teil (Ressort) jenes gewaltigen Mechanismusdes modernen Großbetriebes hat. Er ist für sein Ressort das, was derkapitalistische Unternehmer für das Ganze, für den Großbetrieb ist. Erhandelt, denkt und fühlt für seine Abteilung, wie der Unternehmer fürden ganzen Betrieb, oder anders ausgedrückt: für ihn gelten im wesent-lichen dieselben Prinzipien, die den Inhaber des Betriebes beseelen. Beide