Dreiundfünfzigstes Kapitel: Die Vergeistung der Betriebe
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führen. Man wolle sich vom Personal unabhängig machen. In diesemBetriebe waren von insgesamt 450 Gehilfen nur noch 35—40 Gehilfenin verhältnismäßig selbständiger Stellung.
Es kommt darauf an, „sich von bestimmten Personen unabhängigzu machen, vielmehr alles so zu regeln, daß der Verkehr sich, manmöchte sagen, mechanisch abwickelt.. . . Man verhindert dadurch,daß ein Beamter vermöge seiner Erfahrung und seines Gedächtnissesunentbehrlich wird. Deshalb werden nach Möglichkeit keine münd-lichen Anordnungen erteilt, sondern alles wird auf schriftlichemWege erledigt. Der Beamte wird gewissermaßen zu einem austausch-baren Glied des Betriebes.“ (Paul Möller, Aus der amerikanischenWerkstattpraxis. Bericht über eine Studienreise an den V. D. I., 1904.Bei Woldt, Ind. Großbetrieb, 103.)
In klassischer Form hat diesem Gedanken Alfred Krupp Aus-druck gegeben in einem Briefe an seine Prokura vom 12. Mai 1874,in dem es heißt (Thünen-Archiv 1908):
„Was ich erstreben will, ist, daß nichts abhängig sein soll vondem Leben oder Dasein einer bestimmten Person, daß mit derselbenkein Wissen und keine Funktion entweiche, daß nichts geschehe, nichtsgeschehen sei (von eingreifender Bedeutung), das nicht im Zentrumder Prokura bekannt sei oder mit Vorwissen oder Genehmigung der-selben geschehe, daß man die Vergangenheit der Fabrik sowie die wahr-scheinliche Zukunft derselben im Bureau der Hauptverwaltung stu-dieren und übersehen kann, ohne einen Sterblichen zu fragen. . .“
Schöner kann man den Sinn und den (kapitalistischen ) Zweck derVergeistung der Betriebe nicht wiedergeben.