928
Vierundfünfzigstes Kapitel
Die Verdichtung der Betriebe
Den Betrieb nach Möglichkeit zu verdichten, gilt als die höchsteAufgabe der Betriebskunst. Alle die Maßnahmen zur Rationalisierungdes Betriebes, die wir in den vorhergehenden Kapiteln kennen gelernthaben, sollen im Grunde nur dazu dienen, diese Aufgabe erfüllenzu helfen: sie sind nur Mittel zum Zweck.
Unter Verdichtung der Betriebe verstehe ich die Steigerung derEnergieentfaltung innerhalb eines Betriebes von gegebener Größe.Das gebräuchliche Fremdwort ist Intensivisierung.
Von dieser Verdichtung der Betriebe suche ich im folgenden einenBegriff zu geben, indem ich erst ihre Erscheinungsformen aufweise,dann die Mittel untersuche, die sie bewirken und endlich (wie ge-wöhnlich) sie in den Zusammenhang der kapitalistischen Interesseneinordne.
I. Die Erscheinungsformen der Betriebsverdichtung
Eine Verdichtung des Betriebes kann stattfinden, indem man ent-weder den vorhandenen Raum oder die vorhandene Stoffmasse oderdie vorhandene Zeit (Arbeitskraft) besser ausnutzt. Wir können dem-nach eine Raumökonomie, eine Sachökonomie und eine Zeitökonomieunterscheiden.
1. Die Raumökonomie
Verdichtung bedeutet hier also: Zusammendrängung von mehrEnergie auf einer gegebenen Fläche.
Die Raumökonomie macht sich mit besonderer Deutlichkeit bemerk-bar in der Landwirtschaft, wo sie als Intensität des Anbaus er-scheint: man holt aus einer gegebenen Bodenfläche mehr Güter heraus,indem man den Aufwand an Produktionsmitteln und an lebendigerArbeit steigert. Wir haben in anderem Zusammenhänge bereits fest-gestellt, daß in den westeuropäischen Ländern während der hoch-kapitalistischen Epoche der Landwirtschaftsbetrieb eine erhebliche Ver-dichtung durch größere Raumökonomie erfahren hat: siehe Seite 245ff.