Vierandfünfzigstes Kapitel: Die Verdichtung der Betriebe 929
Auch im Transportgewerbe läßt sich die zunehmende Ver-dichtung der Betriebe in räumlicher Hinsicht leicht verfolgen. Sieäußert sich hier in der Errichtung von mehr Linien (Eisenbahnen,Schiffe, Telegraphen), Ausführung größerer baulicher Anlagen, Ver-stärkung der Betriebsmittel u. dgl. Auch dieser Vornahmen haben wirbereits gedacht: siehe Seite 273ff.
In der Industrie tritt die Raumökonomie in verschiedenen Formenauf: äußerlich am leichtesten wahrnehmbar in der Zusammendrängungder Maschinen und Menschen in den Arbeitssälen, was eigentlich nureine Raumersparung bedeutet. Diese Art der Raumökonomie warin den Anfängen der Industrie sehr beliebt. Noch bei Marx spielt die„Lebensgefahr unter dicht gehäufter Maschinerie“ eine große Rolle.Abgesehen jedoch davon, daß diese Häufung der Maschinen und Men-schen im Raume immer nur für einzelne Zweige der Industrie in Fragekam (was hätte sie für eine Zementfabrik, eine Brauerei, eine Müllereifür einen Sinn gehabt): sie scheint auch an ihrem Platze im Verlaufder Entwicklung nicht weiter getrieben zu sein. Vergleiche lassen sichschwer anstellen, da sich das Verhältnis zwischen Menschenraum undMaschinenraum nicht bestimmen läßt. Sicher sind weniger Menschenheute auf einer bestimmten Fläche zusammengepfercht.
In einer süddeutschen Schuhfabrik waren beschäftigt:
1900
in
2
Sälen
ZU
je 700
qm
200 Personen
1910
))
5
55
55
„ 700
55
400 „
1914
>>
10
55
55
„ 700
55
720 „
1920
jj
10
55
55
„ 700
55
550
Mitgeteilt bei Hellpach , Gruppenfabrikation, 102.
Auf eine Person entfiel also in den genannten Jahren eine Raumflächevon bezugsweise 7, 8,8, 9,7, 12,7 qm. Aber in welchem Verhältnis haben sichwährend dieses Zeitraumes die Maschinen vermehrt?!
Übrigens wird sich schwer ein allgemeingültiges Urteil über dieNeigungen der Industrie zur Raumersparnis fällen lassen, da offenbardie Übung bald so, bald anders ist. Zum Exempel: „Kennzeichnend inden Fordschen Fabriken ist der enge Zusammenbau aller Maschinen.Jeder erhält nur soviel Platz, als er für die Erledigung seiner Arbeitbraucht. Wie an allem, so wird auch an Grundfläche gespart.“(P. Rieppel, Fordwerke [1925], 14.)
Aber die viel wichtigere Erscheinungsform der Raumökonomiein der Industrie ist eine andere, die nicht so abmeßbar mit dem Meter-maße ist, für die Gesamtentwicklung der gewerblichen Produktionaber eine viel weiter tragende Bedeutung hat. Ich meine die ebenfalls