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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Vierundfünfzigstes Kapitel: Die Verdichtung der Betriebe 931

lang wie möglich auszudehnen. Zugleich aber auch Sorge zu treffen,daß innerhalb der Arbeitszeit keine toten Zeiten entstehen durchPausen in der Fabrikation, Wartezeiten im Transportwesen, Unbe-schäftigtsein des Verkauferpersonals u. dgl.

Daß eine starke Neigung von Anbeginn des Kapitalismus bestandenhat, die potentielle Zeit in aktuelle (Arbeits-)Zeit zu verwandeln, isteine bekannte Tatsache. Sie ist von Marx mit hinreichendem Materialerwiesen worden.

Im Laufe der Entwicklung sind dann Gegentendenzen aufgetreten,die die Möglichkeiten einer vollständigen extensiven Zeitökonomiestark eingeschränkt haben: gesetzliches Verbot der Nacht- und Sonntags-arbeit! gesetzlicher Normalarbeitstag! gewerkschaftliche Bestrebungenzur Abkürzung der Arbeitszeit! u. a. Damit hat die andere Form der.Zeitökonomie, die intensive Zeitökonomie, an Bedeutung gewonnen.

Unter intensiver Zeitökonomie haben wir die Steigerung derEnergieausgabe in einem Zeitabschnitt von gegebener Länge Stunde,Arbeitstag zu verstehen.

Es ist nun gewiß ein wesentliches Kennzeichen des hochkapita-listischen Zeitalters, daß auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens dieintensive Zeitökonomie eine beträchtliche Förderimg erfahren hat.Überall sind die Produktionsprozesse abgekürzt worden, das heißt:wird derselbe Produktionserfolg in kürzerer Zeit erreicht: mag es sichnun um die Bergung und Verarbeitung der Ernte, um die Verkürzungchemischer oder maschineller Prozesse, um die raschere Beförderungvon Menschen, Gütern, Nachrichten, um das raschere Verkaufen vonWaren handeln.

Ich habe auch für diesen Vorgang bereits Ziffern beigebracht: sieheSeite 118, 237, 278. Zur Vervollständigung des Bildes setze ich noch einigeandere Angaben hierher:

Ford hat den Zyklus der Produktion von 22 auf 14 Tage herabgesetzt:Mein Leben und Werk, 205. Die Herstellung eines Traktors dauert bei ihmvon der Beschickung des Hochofens bis zum Verladen 31 Stunden.Darinzeigt sich einer der ersten Grundsätze der Ford-Betriebe: das Materialmuß in möglichst schnellem Tempo durch die Werkstätte; jeder Arbeits-gang schließt sich zeitlich unmittelbar an den vorhergehenden an; es wirdmöglichst wenig in Zwischenlagern aufgestapelt, und alles bleibt im Fluß . . .Es wird darauf gesehen, das Material dauernd im Fluß zu erhalten. Ma-terial in irgendeiner Form bedeutet Geld, und Geld muß möglichst schnellumgesetzt, darf nicht in den unproduktiven Strumpf der Lager, derstillenReserven versteckt werden. So wird denn auch der Wert der gesamtenLagerbestände heute nur auf 20 Mill. $ angegeben bei einem täglichen

Sombart , Hochkapitalismus II. 59