Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
963
Einzelbild herunterladen
 

Sechsundfünfzigstes Kapitel: Die vorkapitalistischen Wirtschaftssysteme 963

so brauchen wir nur die einzelnen Ziffern, die ich eben mitgeteilthabe, zu einer einzigen Ziffer zusammenzufassen.

Die von der Gewerbestatistik erfaßten Gebiete des Wirtschaftlebens,das sind also alle mit Ausnahme der Landwirtschaft, der Eisen-bahnen und der Post, weisen im Jahre 1907 folgende Gliederung auf:

Betriebe

Personen

Von 100Betrieben

Von 100Personen

Kleinbetriebe . .

. 3 146134

5 383 233

91,3

37,3

Mittelbetriebe . .

. . 270122

3 688 838

7,8

25,5

Großbetriebe . .

32 122

5 363 851

0,9

37,2

Aus diesen Ziffern entnehmen

wir, daß der zweifellos handwerks-

mäßige Bereich fast genau so groß ist wie der zweifellos kapitalistischeBereich. Von 1000 Personen sind 373 in Handwerksbetrieben, 372 inkapitalistischen Unternehmungen beschäftigt. Die verbleibenden 255muß man unter Handwerk und Kapitalismus aufteilen. Wenn mandann auch die größeren Teile der Mittelbetriebe dem Kapitalismuszuschlägt, vielleicht 3 / 5 , so wird doch das personale Anteilverhältnis desHandwerks an dem gesamten Wirtschaftsleben nicht wesentlich ver-ringert. Das für viele (unter denen ich mich selbst befinde) erstaun-liche Ergebnis ist immerhin dieses:

am Ende des h o c h k a p i t a 1 i s t i s c h e n Zeitaltersist noch beinahe die Hälfte sämtlicher Erwerbs-tätigen ohne die Landwirtschaft handwerks-mäßig beschäftigt.

Freilich das muß nun zur Ergänzung hinzugefügt werden istdas Handwerk unserer Tage nicht dasselbe, das es vor 300 und selbstvor 100 Jahren war. Der äußeren Verschiebung ist eine innereUm-b i 1 d u n g zur Seite gegangen, von der hier noch zu sprechen ist.

Zwar der Handwerker-Krämer, denke ich, ist im wesentlichen nochderselbe, der er im 13. Jahrhundert war. Er verkauft seine Eosinen undseine Schnürsenkel und sein Schreibpapier seit Jahrhunderten in den-selben Läden, mit derselben Wirtschaftsgesinnung und nach denselbenGrundsätzen.

Auch der Gastwirt ist wohl heute noch der gleiche, der er vor fünf-hundert Jahren war.

Daß der Chauffeur auf dem Automobil eine andere Seelenhaltunghaben muß als der halb schlafende Kärrner auf seinem Planwagen,leuchtet ein. Aber im großen ganzen ist doch auch der kleineTransportbetrieb heute noch derselbe, der er vorzeiten war.

Sombart, Hochkapitalismus II.

61