Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
965
Einzelbild herunterladen
 

Sechsundfünfzigstes Kapitel: Die vorkapitalistischen Wirtschaftssysteme 965

schäften unserer Zeit ihm einverleibte. In der Art und Weise, wie erdas tut, hat sich im letzten Menschenalter eine Wandlung vollzogen,die wir verfolgen müssen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da nahm man an, daß die Über-legenheit des Kapitalismus, den man sehr irrtümlicherweise mit demFabrikbetrieb gleichsetzte, im wesentlichen ein technisches Problemsei, enger: ein Maschinenproblem, noch enger: ein Motorenproblem.So konnte es geschehen, daß man beim Aufkommen der Kleinkraft-maschine in den 1880er Jahren glaubte: nun sei das Handwerk ausallen Schwierigkeiten befreit, nun sei es wieder konkurrenzfähig. KeinGeringerer als Eranz Reuleaux verkündete diese Heilsbotschaft.Aber die Hoffnung, die man auf die Kleinmotoren setzte, erfüllte sichnicht, konnte sich nicht erfüllen, da sie auf falschen Voraussetzungenaufgebaut war. Man hatte verkannt, daß die Überlegenheit der kapi-talistischen Wirtschaften gar nicht ausschließlich ein Problem derSachtechnik war, daß es aber, soweit es dieses war, sich keines-wegs erschöpfte in dem Problem der Antriebsmaschine, daß viel wichtigerdie Verwendung von Arbeitsmaschinen oder die Anwendung irgend-welchen chemischen Verfahrens war, was beides dem kleinen Hand-werker versagt blieb. Dann erinnerte man sich aber vor allem, was frühereFreunde des Handwerks bereits bedacht hatten: daß das Konkurrenz-problem ebensosehr ein organisatorisches Problem sei, daß die Über-legenheit des Kapitalismus großenteils in der Überlegenheit des Groß-betriebes seinen Grund habe. Diese Einsicht führte zu den Versuchen,dem Handwerker durch allerhand Genossenschaftsbildungen zu helfen.Man gründete Rohstoff- (Einkaufs-) Genossenschaften, Werk- (Arbeits-)Genossenschaften, Magazin- (Verkaufs-) Genossenschaften. Die Er-fahrung hat jedoch erwiesen, daß auch auf diesem Wege keine Rettungdes Handwerks liegt. Die Entwicklung der Handwerkergenossenschaftengenannter Art ist sehr schwach: siehe Seite 990 aus Gründen, dieich andernorts entwickelt habe: siehe das 35. Kapitel des zweitenBandes der ersten Auflage dieses Werkes.

Und doch ist es während des letzten Menschenalters gelungen,einen anpassungsfähigeren Handwerkertyp heranzubilden, indem manRichtiges in den eben entwickelten Ansichten beibehielt, Irrtümerausmerzte und neue Erfahrungen zur .Wirksamkeit brachte.

Was denmodernen,fortgeschrittenen Handwerker unsererTage kennzeichnet, ist folgendes:

(1.) ein gewisses Maß von ökonomischem Rationalismus bei der Ge-

61 *