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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Schluß: Die Gesamtwirtschaft

die dadurch in ihrer Tatsächlichkeit und Gesetzmäßigkeit aufgedecktwurde, daß sie fast überall dieselben Formen angenommen hatte. Ichteile aus den Ergebnissen dieser Enquete einige mit.

Der Wucher au / dem Lande trat auf als Geld- oder Dahrlehnswuclier,als Viehwucher (Einstellverträge usw.), als Grundstückswucher und alsWarenwucher (Kreditierung von Saatgut gegen Aushaltung eines Anteils-an der Ernte, Umtausch der landwirtschaftlichen Produkte gegen minder-wertige andere Waren usw.). In fast allen Fällen handelte es sich um einegeschickte Verquickung aller dieser verschiedenen Arten, und, wie obenschon angedeutet wurde, erschien die völlige Abhängigkeit der bäuerlichenWirtschaft von der Willkür des Handelsmannes als das Ziel, das dieseranstrebte und oft genug erreichte.

Zur Bestätigung gebe ich einigen Berichterstattern der erwähnten.Wucherenquete aus verschiedenen Teilen Deutschlands das Wort. Ihreübereinstimmende Schilderung der Vorgänge zeigt deutlicher, um was essich handelt, als es eine theoretische Auseinandersetzung vermöchte.

Aus der bayerischen Rheinpfalz lautet der Bericht:

Je ärmer die Gegend, desto schamloser macht sich das Wuchergeschäftbreit. Abgelegene Ortschaften und Gehöfte werden mit Geld und anderenLebensbedürfnissen ,versorgt, müssen aber die Gänge ihrer Versorger teuerzahlen. Diese sind regelmäßig von alters her in größeren Ortschaften zahl-reich ansässig und haben, um die Konkurrenz unter sich und mit anderenauszuschließen, das Land unter sich geteilt. Ein jeder besucht jeden Tag sein.Gäu und nimmt es jedem anderen kurios übel, der es unternimmt, ,ihmin sein Gäu zu gehen. In ,seiner Ortschaft ist er Herr. Da vermittelter die An- und Verkäufe von Vieh und Getreide, Futter und Grund undBoden. Häufig genug ist er selbst der einzige Verkäufer und Käufer allerdieser Artikel in den betreffenden Ortschaften. Manchmal ist das Arbeits-feld dieser Leute auch in der Art geteilt, daß in einem Orte der eine nur inGütern, der andere nur in Felderzeugnissen ,macht, noch andere wieder dasBrot, das Mehl, die Bohnen, Erbsen usw. liefern und für den gewährtenKredit sich ,billigen Preis anrechnen. Die Kreide wird meistens von ihnenallein, dafür aber häufig doppelt geführt, weil der Bauer entweder zu fauloder zu einfältig ist, seine Schuldigkeit selbst zu notieren. (Schriften desVfSP. Band 35, Seite 115.)

Uber die Zustände in den Rheinlanden läßt sich der LandwirtschaftlicheZentralverein dieser Provinz dahin aus,daß die erwähnten Formen desWuchers selten gesondert auftreten, in den meisten Fällen finden sie sichvereinigt, weil die eine Form notwendig aus der anderen hervorgeht. DasEndresultat ist meistens, wenn auch nicht immer, die absolute wirtschaftlicheAbhängigkeit des Bewucherten von dem Wucherer. Dem letzteren gehört inWirklichkeit Haus und Hof des armen Bauern, der Lohn seiner und seinerAngehörigen Arbeit fließt in die Tasche seines Gläubigers. Solange einsolcher Lohn noch erzielt wird, hütet sich der Wucherer wohl, die Schlingezuzuziehen und durch Subhastation sein Opfer von Haus und Hof zu bringen,weil der Wert des Anwesens häufig der fingierten Schuldforderung nach-