Neunundfünfzigstes Kapitel: Die Gemeinwirtscliaft 1005
an das Elektrizitätswerk Straßburg im Elsaß A.-G. seitens der Stadt Straß-burg von Hause aus ein reines Privatunternehmen war und erst durchErwerb der Aktienmehrheit durch die Stadt, wie wir sahen, gemischt-wirtschaftliches Unternehmen wurde, war das Elektrizitätswerk Unter-elbe A.-G. Altona seit seiner Gründung ein solches. Es vereinigte sich dabeidie Stadt Altona mit ihrem städtischen Elektrizitätswerk als Sacheinlagemit der Kapitaleinlage der A. E. G. zu der qualifizierten Gründung desvorgenannten Aktienunternehmens, in dessen Verwaltung die Stadt Altona durch den vertraglich vorbehaltenen Mehrbesitz des Kapitals die Führunghat. Zweck des Unternehmens ist außer der Elektrizitätsversorgung derStadt Altona selbst noch die der weiteren Umgebung der Stadt. Es lagoffenbar die Hauptabsicht der Stadt Altona darin, die bisherigen Ein-nahmen aus ihrem Stadtunternehmen durch Hinzutritt des Uberland-unternehmens zu vermehren, ohne unmittelbar die städtischen Gelderin dem Unternehmen außerhalb des Stadtgebietes zu investieren unteralleiniger Tragung des Risikos. August Jung, a. a. 0. Seite 7, 13 f.
Das großartigste Beispiel eines gemischt-öffentlichen Betriebes von derhier besprochenen Art ist aber das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerkin Essen (RWE), dessen Aufbau ich etwas genauer schildern will, indemich dabei der sehr gründlichen Darstellung folge, die sich bei R. P a s s o w ,Die gemischt privaten und öffentlichen Unternehmungen auf dem Ge-biete der Elektrizitäts- und Gasversorgung und des Straßenbahnwesens(1912) findet.
Die Essener Stadtverwaltung entschloß sich nach längeren Erwägungen,von der Errichtung eines eigenen Elektrizitätswerkes abzusehen, dessenBau und Betrieb vielmehr einem privaten Unternehmen zu überlassen.Anfang 1898 wurde mit der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. W. Lah-meyer & Co. in Frankfurt a. M. ein Vertrag abgeschlossen, wonach diesedie Verpflichtung übernahm, innerhalb der Stadt Essen ein Elektrizitäts-werk zu errichten. Einige Monate später gründete die Firma Lahmeyer ge-meinsam mit einigen Frankfurter Bankhäusern und anderen Interessenteneine besondere Aktiengesellschaft: Rheinisch-Westfälisches Elektrizitäts-werk, das den von Lahmeyer mit der Stadt Essen abgeschlossenen Ver-trag übernahm. In den Aufsichtsrat dieser Gesellschaft traten u. a. derOberbürgermeister von Essen und Hugo Stinnes zu Mülheim-Ruhr ein.Nach einiger Zeit verkauften die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm.Lahmeyer & Co. und die Deutsche Gesellschaft für elektrische Unter-nehmungen ihren Besitz an Aktien des RWE an zwei Großindustrielledes Ruhrreviers: Hugo Stinnes und August Thyssen.
Mit dieser Verschiebung des Aktienbesitzes trat ein tiefgreifender Um-schwung ein. Die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder schieden zum größtenTeil aus, der neue Aufsichtsrat bestand zunächst nur aus drei Mitgliedern:Hugo Stinnes als Vorsitzendem, dem Oberbürgermeister von Essen undAugust Thyssen. Ebenso wurde der Vorstand neu besetzt. Das erste Zielder neuen Leitung bestand in einer großen Ausdehnung des Werkes. All-mählich erwuchs der Plan, das ganze rheinisch-westfälische Industrie-gebiet und darüber hinaus weite andere Gebiete von Rheinland und West-