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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Schluß: Die Gesamtwirtschaft

stände sich vollzieht. Neue Wirtschaftwächst, wie eine Pflanze,ein Tier. Gewaltsame Eingriffe können wohl zerstören, aber nichtsaufbauen. Alle bisherige Geschichte bestätigt die Richtigkeit dieserErkenntnis. Wenn noch ein Beweis nötig war, so hat ihn der Verlaufder wirtschaftlichen Entwicklung Sowjet-Rußlands erbracht.

3. Alle diejenigen irren, die auf eine baldige Rückbildung des Wirt-schaftslebens in der Richtung auf vorkapitalistische Wirtschaftsweisenrechnen. Eine solche wird nicht eintreten, weil zu starke Interessenan der Erhaltung einer auf den Errungenschaften der modernen Technikaufgebauten Wirtschaft haften: Notwendigkeit, eine bestimmte Men-schenmenge zu ernähren! Freude am Kapitalismus ! Freude an derTechnik!

Es ist auch nicht zu erwarten, daß die sachlichen Bedingungen,die die moderne Entwicklung ermöglichten, eine so gründliche Ver-änderung erfahren werden, daß eine primitivere Wirtschaftsweise not-wendig würde. Ich denke an die Verringerung der technischen Möglich-keiten, die etwa eine handwerksmäßige Wirtschaft erzwingen könnten.

Als ich einmal mit Max Weber über die Zukunftsaussichtensprach imd wir die Frage aufwarfen: wann wohl der Hexensabbat einEnde nehmen würde, den die Menschheit in den kapitalistischen Ländernseit dem Beginne des 19. Jahrhunderts aufführt, antwortete er:Wenndie letzte Tonne Erz mit der letzten Tonne Kohle verhüttet sein wird.

Dieser Augenblick wird nun in verhältnismäßig kurzer Zeit eintreten.Zwar die Kohle weist noch beträchtliche Vorräte auf. Nach der allgemeinanerkannten Feststellung von Frech (Über Ergiebigkeit und voraussicht-liche Erschöpfung der Steinkohlenlager, 1901) tritt, bei einer weiterenKohlenförderung in dem bisherigen Schrittmaße, die Erschöpfung derKohlenlager ein in

150 Jahren in Amerika,

200 in Zentralfrankreich, Böhmen, Sachsen, Nordengland,

300 im übrigen England,

4500 ,, in Nordfrankreich und Saarbrücken,

1000 in Oberschlesien.

Aber mit den Eisenerzen geht es früher zu Ende. Nach den aus Anlaßdes Internationalen Geologenkongresses im Jahre 1910 veranstalteten Er-hebungen (The Iron Ore Ressources of the World) betragen die bekanntenReserven auf der Erde rund 22 Milliarden Tonnen (davon 12 in Europa, 9,8 in Amerika), aus denen etwa 10 Milliarden Tonnen Eisen gewonnenwerden können. Diese Läger würden bei gleichbleibendem Tempo der Aus-beute in etwa 60 Jahren abgebaut sein.

Nun ist aber die Ansicht Max Webers die einen werdensagen:leider, die anderen:glücklicherweise irrtümlich. Denn die