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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Sechzigstes Kapitel: Das Wirtschaftsleben der Zukunft 1011

technischen Möglichkeiten sind mit dem Aufhören des Kohle- undEisenzeitalters keineswegs erschöpft. Gewiß nicht, was die Er-zeugung der Kräfte anbetrifft.

Wenn wir von dem Erdöl absehen, dessen Erschöpfung ebenfallsbinnen kurzem eintreten wird, so stehen dem Menschen folgende, un-erschöpfliche Kraftquellen zur Verfügung:

1. die Energie der Wasserkräfte, die (nach Wiener) 100 MillionenPS liefern können;

2 . die Energie von Ebbe und Flut, die auszunutzen der Technikzweifellos gelingen wird;

3. die Energie der Sonnenstrahlung, die man bereits zu nutzenbegonnen hat.

1902 wurde eine Sonnenkraftmaschine auf der Straußenfarm beiLos Angeles errichtet. Ähnliche Sonnenmotoren bestehen in Kalifornien und Peru . Die Technik der Nutzung der Sonnenenergie wurde dann ver-vollkommnet durch Shuman, der mit 300 000 £ die Sun Power Co.(Eastern Hemisphere) Ltd. gründete und 1912 in Meadi in Ägypten , 15 kmsüdlich von Kairo , ein großes Sonnenkraftwerk errichtete, das 200 ha Baum-wolland bewässert. Der Betrieb ist heute schonrentabel, wenn 1 t Kohlemehr als 10 Mk. kostet (in Ägypten, Peru , Chile, Südafrika sind 6070 Mk.die Kegel). Eine Berechnung von Hanns Günther in den von ihmherausgegebenenTaten der Technik, Bd. I, 1923, Seite 161, kommtzu folgendem Ergebnis: Unter 20° nördlicher Breite fließen jedemQuadratmeter wagerechter Erdoberfläche aus der Sonnenstrahlung jährlich1,4 Milionen Wärmeeinheiten (Kalorien) zu, das heißt: je 4 qm erhaltenden Gegenwert einer PS. In einem Quadratkilometer lassen sich alsobei 100%igem Nutzeffekt 250000 PS gewinnen. Moderne Dampfmaschinenbrauchen zur Erzeugung einer Jahreskraft PS etwa 4 t Kohle. Ganz inmechanische Energie umgesetzt, liefern also die 1300 Mill. Tonnen (1920geförderter) Kohle 325 Millionen Jahres-PS. Um diese durch Sonnen-energien zu ersetzen, sind also rund 13000 qkm nötig: etwa der dritte Teildes Gebietes der Schweiz. Die Wüste Sahara bedeckt aber eine Flächevon 6000000 qkm.

Wenn die Sonnenenergien die Kraftquelle werden, sind die Industrie-standorte: Mexiko, Chile, Peru, Südafrika, Nordafrika , Afghanistan, Tibet,Nordindien, Australien . Diese Verschiebung der Industriestandorte würdesich durchaus in Übereinstimmung befinden mit dem weiter unten zuwürdigenden Übergang des Kapitalismus von den weißen auf die farbigenRassen.

Einstweilen freilich stehen der Nutzung dieser ungeheuren Kraftquellenoch starke Hindernisse im Wege: der Nutzeffekt ist vorläufig nicht100%, sondern in den Meadi-Anlagen % °/ 00 , in Kalifornien 1 °/ 0#(nach Wiener), während die arbeitsame Pflanze durch Chlorophyll 0,5bis 2% der Sonnenenergie nützt. Aber was wäre der modernen TechnikSombart , Hochkapitalisraus II. ß4