Critik libcr die vcf.uigncii des Plmitns,
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Critik über die Gefangnen des Plautus.
Gleich als ich im Begriff war dic meinem Leser versprocheneund mir sehr angenehme Arbeit zu unternehmen, nämlich michüber dic Schönheiten des Plautus mit ihm etwas umständlichzu besprechen; so erhalte ich von einem Freunde unserer Arbeiteinen Brief, dessen Inhalt mit meinem Vorhaben allzuviel Ver-wandtschaft hat, als daß ich ihn nicht mit Vergnügen bekanntmachen sollte. Er ist zwar mehr wider als für mich. Dochdaraus mag man schließen, was ich für ein Vertrauen zu mei-ner gerechten Sache und zu der Billigkeit meines Gegners habe.Der ganze Inhalt bezieht sich auf drey Stücke. Erstlich machter überhaupt über unser Vorhaben einige Anmerkungen. Zumandern beurtheilet er meine Ucbcrsctzung des plautischcn Lustspiels.Endlich tadelt er den Plautus selbst. Was dic ersten zweyStücke angeht, darauf werde ich ihm in beygefügten kurzen An-merkungen antworten. Das letzte ist das wichtigste, und ver-dienet also eine besondre Antwort. Mein Gegner zeigt überalleine wohlangcbrachtc Bclcsenhcit, welche ich, wie seine Einsichtin dic Rcgcln der dramatischen Dichtkunst, nicht wenig lobenwurde, wenn er nicht mein Gegner wäre. Denn seine Gegnerzu loben ist eine sehr kützlichc Sache. Alles Gute, das manihnen bcylcgt, entzieht man sich, und - - Doch ohne läugreVorrede, hier ist der Brief.
Mein Herr,
Ich bin einer von denen, die Ihnen sehr verbunden sind,daß Sie zur Aufnahme des TKeatcrs, durch eine der artigstenMonatsschriften unserer Zeit, den guten Geschmack uns dieAicbe zu den werden des Vviycs ausbreiten wollen. Ichhabe von Jugend auf ein großes Vergnügen an der dramati-schen Dichtkunst gefunden, und wenn mich die Natur einenDichter hätte lassen gcbohrcn werden, so würde ich vielleicht inkeiner andcrn als dieser Art der Dichtkunst meine Kräfte ver-sucht haben. Was Wunder also, daß Ihre Monatsschrift mei-nen Beyfall erhalten hat?