Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
80
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8V Beyträge zur Historie und Aufnahme des Thc.Ucrs,

von einer sehr schwachen Stimme, die ich von Natur hatte, zueiner männlichen gesetzten Aussprache gelangt bin. Ich weis dieRegeln davon, und kann also meinen Reden allen Nachdruckgeben, wodurch ich mir öfters mehr Beyfall erwerbe, als andredurch die ausgesuchtesten Ausdrucke.

Mein damaliger Aufenthalt an einem Orte, wo ein gekrön-ter Wcltwcisc das prächtigste der Schauspiele, oder wie andresagen, das uugercimreste IVcrk, so der menschliche Verstandjemals erfunden, die Oper einem Volke zeigte, so bisher der-gleichen kaum dem Namen nach kannte; gab mir noch mehr Ge-legenheit hierauf zu denken. Ein jeder sagte seine Meynungvon Arien und Recitativen, als von den allcrgcmcinstcn Sachen,so daß die Oper der Vorwurf aller Unterredungen ward. Ichbefand mich bey einer derselben, wo, nachdem verschiedenes vondem Natürlichen und dem Wahrscheinlichen der Oper war ge-rcdt worden, einer von der Gesellschaft in die Worte eines Dich-ters unserer Zeit ausbrach: die Vernunft muß man zu Hauselassen, wenn man in die Oper geht; mithin, setzte er hinzu,müsse man nicht viel Vernunft da suchen, wo keine anzutreffensey, sondern sich an der Wollust begnügen, die man durch dasGehör und das Gesicht empfände. Denn allerdings sey nichtswidersinnischcr, als zwey Helden vor sich zu sehen, welche vonden allcrwichtigstcn und oft sehr heftig bewegenden Sachen sichsingend besprechen. Ich sagte hierauf, daß man diesem Unna-türlichen abhelfen könne, wenn man nur die Arien singen ließe,und das Recitativ dcclamirct würde. Dieses könne der Oper,anstatt ihr etwas von ihrer Pracht zu benehmen, einen neuenZicrrath verschaffen, indem dieses liebenswürdige Schauspiel da-durch dem Natürlichen näher kommen würde. Meine Gedankenfanden damals Beyfall, wenigstens wurde ihnen nicht wider-sprochen. Allein mir selbst fiel hernach ein, daß sich zu derrechten Dcclamation keine italienische Castratcnstimmc schicke. In-dessen suchte ich in meiner nnd meiner Freunde Büchcrsammlun-gcn etwas über diesen Vorwurf nachzulesen. Unter allen abergefiel mir nichts besser als des Grimarcst ^r-ni«- <Iu Kooiwtik6i»ns I» lecturo, tlans l'sction publiizuo, tlans la <loelamation,et ll!M5 lo eliant, l74l>, 8.