Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
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Beyträge zur Historie und Aufnahme des Theaters.

geben wollte, als wenn ich alles an Zhrcm Dichter für tadcl-haftc Mängel hielte.

Sie haben in dem ersten Stucke Ihrer Beyträge versprochen,in einer eignen Abhandlung von Sem Vortrefflichen sowohlals Vem (Laöelhaftcn in den Schauspielen des plamus znhandeln; und ich habe mit Verlangen diese Abhandlung erwar-tet. Da ich aber sahe, daß Sie in dem zweyten Stücke IhrWort halb zurück genommen und uns nur die Hoffnung ge-macht, die Schönheiten Ihres Dichters im dritten Stückezn entwickeln, so habe ich gcmuthmaßt, daß es Ihnen vielleichtleid geworden"), an Ihrem Helden Fehler zu entdecken. Ver-gönnen Sie mir also, daß ich diesen zweyten Theil Ihres Ver-sprechens ergänze, und nehmen Sie diese Critik so gütig auf,als ich mit Wahrheit versichern kann, daß sie aus keiner an-dern Absicht geschrieben ist, als nur zu zeigen, wie viel dazugehöre, ein vollkommen dramatisches Gedicht zu machen, undwie groß die Ncrwcgenhcit derer seyn müsse, die heut zu Tagedergleichen in 24 Stunden zu verfertigen für nichts unmögli-ches halten. Wenn Meister in der Kunst, ein Plautus undTcrcnz fehlen, dürft ihr Lehrlinge denn schon trotzen? DemRuhme des Plautus wird indeß mein Tadel keinen Abbruchthun; so gewiß als Sophokles dennoch ein großer Dichter ist,obschon sein OcdipuS, den Aristoteles zum Muster der Tragödievorschreibt, nicht ohne Fehler ist. Plmitus ist allerdings ein

c) Wie aber, wenn sie falsch gcmnthmaßr hatten? Ich glaube nimmcr-mchr, das; man die Schönheiten eines Schriftstellers in ihr gehöriges Lichtsetzen könne, ohne zugleich das, was an ihm anstößig zu seyn scheinet, anzu-führen, dabev aber so viel wie möglich zu entschuldigen. Diesen letzten Punktmns; man besonders bey den alten Dichtern beobachten: denn theils waren dieFehler, die man ihnen hin und wieder vorwerfen kann, zu ihren Zeiten keineFehler; theils aber waren sie selbst von einem viel zn erhabnen Geiste, alsdas; sich ihre Sorgfalt zu den Kleinigkeiten hätte können hernieder lassen,welche unsre Knnstrichler alsobald in Harnisch bringen. Ich habe allezeitgeglaubt, daß Plautus gewisse Fehler habe; allein diese Fehler sind von mirniemals für was anders gehalten worden, als für eine Sommersprosse aufeinem sonst vollkommen schöncn Gesichte. Ich würde sie bemerkt haben, ohnesie zu tadeln und ohne sie zn lieben. ?n dem ersten bin ich nicht verwegenund zu dem andern nicht blind genug.