Lritit über dic Gefangnen des Pl.uUnS, 11i>
nur umsonst anwenden würde. Doch wir wollen sehe». Alleswas man wider ihn vorgebracht hat, beziehet sich ans drey Stücke.Kunst, Witz und Moral sind es, worinnc sich Plautus sehrtadclhaft soll bezeigt haben. Zu dem ersten gehören alle Ein-würfe, dic man ihm, besonders in diesem Lustspiele, wider dieEinheit der Handlung, wider dic Dauer, kurz wider dic ganzemechanische Einrichtung scincr Stückc macht. Zu dem anderngehören seine seichten und nichtsbcdcutcndcn Scherze; und zudem dritten einige unbchutsamc und allzusaftigc Stellen, welcheman bcy ihm will gefunden haben. Ich will bey dem letztenzu erst anfangen; und hoffe leicht damit zu Stande zu kommen,weil ich gar nicht gesinnt bin, unsern Dichter in allen seine»Lustspielen deswegen zu entschuldigen, sondern bloß seine Ge-fangnen von diesem schimpflichen Norwurfc zu bcfrcycn suche.Ucbcrhaupt aber von den unkcuschcn Stellen des Plautus zuurtheilen, sollte man wohl überlegen, daß vieles, was itzo unsreOhren auf dic ärgerlichste Art beleidiget, zu scincr Zcit vonernsthaften Römern ganz gleichgültig konnte angehöret werden.Es ist dic größte Ungerechtigkeit, die man gegen einen altenSchriftsteller ausübcn kann, wenn man ihn nach den itzigcnfeinern Sitten beurtheilen will. Man muß sich durchgängig andie Stelle scincr Zeitgenossen setzen, wenn man ihm nicht Feh-ler andichten will, welche bcy ihm kcinc sind. Es war bcy denalten Römern nichts gewöhnlicher und nichts weniger anstößig,als Laster, welche offenbar im Schwange gicngcn, bcy ihremrcchtcn Namcn zu ncnncn. Dic Bühne war dazu, stc zu be-strafen. Was sich der Zuschauer nicht schämte zu thun, solltesich das der Dichter schämen zu nennen ? Dichter und Zuschauerwarm also, wird man mir vorwerfen, im höchsten Grade un-verschämt, und folglich im höchsten Grade lasterhaft. Allein,die Wahrheit zu gestehen, mit diesem folglich bin ich nicht sehrzufrieden. Ich weis nicht, mit was für einem Rechte man dicoft crzwungnc Fertigkeit bcy Anhörung gewisser Worte, bcyErblickung gewisser Gegenstände roth und unwillig zu scheinen,unter dic Tugenden setzen kann? Dic Schamhaftigkcit in diesemVerstände ist oft nichts als dic Schminke des Lasters, llebri^gcns berufe ich mich auf alle dic anstößigen Stellen, woraus