Samuel Wcrcufcls Ncdc.
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Eingänge, in welchem er die Wichtigkeit seiner Materie darthut,nnd von der Annehmlichkeit der Schauspiele, die von niemanden inZweifel gezogen wird, redt, kömmt er aus seinen Hauptsatz, undzeiget auf eine doppelte Art, was sie für einen uuwidcrsprcchli-chcn Nutzen bey der Jugend haben können. Er betrachtet sie erst-lich, in wie ferne sie den Zuschauern nutzen; cr redet von derKenntniß der Menschen, von der Vcrabschcuung des Lasters,von der Liebe zur Tugend, wozu sie uns die vortrefflichsten An-leitungen geben, und weiset zugleich, daß diese Anleitungen inder lebhaften Abschildcrung wahrscheinlicher Gemüthsarten, inder Vorstellung einnehmender Begebenheiten, und in der An-sührung wichtiger Sittcnsprüchc liegen können. Doch nicht ge-nug, daß sie uns zu tugendhaften Menschen machen, sie kön-nen auch unsre Wissenschaften vermehren und unsre Fähigkeitenstärken. Die merkwürdigsten Exempel der Historie, die ernsthaf-testen Wahrheiten der Wcltwcishcit, ja selbst die Streitigkeitennntcrschicdncr Religionen, können auf das nachdrücklichste darinncvorgestellet werden. Und was die Beredsamkeit für Nahrungin denselben finde, haben die größten Meister derselben, alterund neuer Zeit, bewiesen. Eben so richtig finden wir den Nutzender Schauspiele, wenn wir uns, andern Theils, an die Stellederer, die sie selbst vorstellen, setzen. Diese nehmen nicht alleinan allen den angeführten Vortheilen der Zuhörer Theil, sondernsie stärken auch dadurch ihr Gedächtniß, welches nothwendig inder Jugend geschehen muß, und üben sich in der körperlichenBeredsamkeit, welche, nach des Dcmosthcncs eignem Aus-spruchc, die vornehmste Eigenschaft eines Redners ist. Allesdieses führt unser Redner auf eine würdige Art aus, und zeigtzum Ucbcrflussc, daß die größte,: Schulmänner, ein JohannSturm und ein Comcnius, und, welche in dieser Sache keingeringer Ansehen haben, die Glieder der Gesellschaft Zcsu selbst,die Nothwendigkeit der Schauspiele in den Schulen erkannt haben.
Dieses, was wir anführen, ist nichts als der trockne In-halt. Wenn unsre Leser von der Vortrcfflichkcit der Ausfüh-rung urtheilen wollen, so müssen sie das Original selbst, odereine gctrcurc Ucbcrsctzung, als die gegenwärtige ist, zu Ratheziehen. ES ist ein Glück, daß uns diese nicht fcblt. Schon