128 Beyträge zur Historie und Aufnahme des Theaters.
darinnc nicht anstehen, geschweige das Pöbelhafte. Und wasist pöbelhafter als Wortspiele? Zn den Lehrgedichten muß crdie Vernunft mehr mit Gedanken zn überschütten, als das Ohrzu kützcln suchen. Man tadelt ihn schon, und das mit Recht,wenn cr uns wenig denken läßt, wie vielmehr wird cr zu tadelnseyn, wcnn cr uns gar nichts denken läßt. Und was kaun manbey einem Wortspiele gedenken? Ganz anders aber ist cs in dcrArt von Gedichten, wo dcr Dichter Personen von vcrschicdncrGattung rcdcnd aufführet; ich meyne in den dramatischen- Hierist cs scinc vornchmstc Pflicht, die Personen zu schildern, wie siesind, und sie dasjenige sagen zu lassen, was sie nach ihremStande und nach ihrer Gemüthsart sagen können. Diejenigenvon den dramatischen Gedichten aber, die zu meinem Zwecke ge-hören, etwas näher zu betrachten, was für Personen hat dennein komischer Dichter in seinen Stücken zu schildern? Aonwas für Stande, und von welcher Gemüthsart sind sie mcistcn-theils? Hierauf muß man mir Unterschied antworten. Die Al-ten führten in ihren Lustspielen durchgängig Lcutc vom niedri-gen Stande auf, die, in dem ersten Alter dcr griechischen Ko-mödie, alle cntwcdcr strafbar oder lächerlich seyn mußten; guteund ernsthafte Personen waren gänzlich davon ausgeschlossen,ihre Stelle aber vertrat dann und wann dcr Chor, wcnn csdcr Dichter nämlich für nöthig hielt, den Zuschauern eine Mo-ral beyzubringen, die in dem Mnndc einer strafbaren oder lä-cherlichen Person ihren Werth vcrlohrcn hätte. Da aber in denletztem Zeiten die Komödie dcn Chor abschaffn! mußte, weil crsich allzu viel Freyheit angemaßt hatte, so wurden die Dichtergcnöthigct in ihre Stücke auch gute und ernsthafte Charakterezu mischen, weil sie sonst unmöglich ihrcu letzten Zweck, dieBesserung der Zuschauer, würden erhalten haben. Wir findendergleichen Charaktere häufig bey dem Plautns und Tcrcntius,die einzigen Muster die uns das Alterthum von dem verbesser-ten Schauspiclc hintcrlasscn hat; und bcy dcm lctztcrn noch häu-figer als bcy dcm crstcn. Wcnn man aber allc, die uns sowohlbcy dem einen als bey dcm andern vorkommen, genau betrach-tet, so wird man findcn, daß sie sich nicmals, so gut undernsthaft sie auch sind, über den Stand komischer Personen, wcl-